„Das habe ich doch so nie gesagt!“
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Erler-PR
09.11.2008 - 14:19 Uhr - Werbung & Marketing
(prcenter.de) Autorisierung von Interviews – ein Interessenskonflikt, der keiner sein muss
„Das habe ich doch so nie gesagt!“
Im Umgang zwischen Journalisten und PR-Verantwortlichen knirscht es unüberhörbar. Das ist nichts Neues und liegt naturgegebenen an den kontroversen Interessenslagen. Doch in letzter Zeit werden die Klagen aus den Redaktionen immer lauter. Von zunehmendem Autorisierungswahn ist gar die Rede. Gemeint sind Bevormundungen und Gängelungen bei der Freigabe von Interviews oder Zitaten. Was früher VIPs aus dem Showgeschäft und bestenfalls noch Politikern und DAX-Vorständen vorbehalten war, nehmen immer häufiger auch mittelständische Unternehmen für sich in Anspruch: Kein Abdruck von Zitaten, Interviews oder Fotos ohne Freigabe durch die PR-Abteilung. Schriftstücke, in denen sich der Verlag unter Vertragstrafe zur Autorisierung verpflichten muss, machen die Runde – ohne Unterschrift keine Stellungnahmen. „Am liebsten wollen die Pressesprecher vorher die Fragen schriftlich haben, und die Freigabe eines einzelnen Zitates erteilen sie nur, wenn sie vorher das komplette Stück einsehen dürfen“, klagt ein altgedienter Wirtschaftsjournalist einer führenden Tageszeitung. „Kurz vor Redaktionsschluss wird dann noch versucht in den Text zu redigieren. Das macht wirklich keinen Spaß mehr.“ Dabei stellt sich sowieso die Frage, wem die weichgespülten, politisch korrekten Antworten etwas bringen sollen. Denn der Statementgeber bleibt blass und austauschbar. Von positiver Imagebildung also keine Spur. Und dass sich der Redakteur bei nächster Gelegenheit lieber einen Gesprächspartner sucht, der Tacheles redet und auch mal einen knackigen Spruch zum Besten gibt, dürfte klar sein.
Fairness und Souveränität ersparen Peinlichkeit
Aber auch den Unternehmern bleibt bei der Thematik oft das Lachen im Halse stecken. Da werden auf Grund von Personalknappheit in den Redaktionsstuben Volontäre oder gar Praktikanten auf die „bösen Firmenbosse“ losgelassen. Die fühlen sich dem Enthüllungsjournalismus verpflichtet und sind wild entschlossen unsaubere Machenschaften aufzudecken. Das Ergebnis zeugt oft nicht nur von fachlicher Unkenntnis, sondern lässt auch den Gesprächspartner zweifeln, ob er am gleichen Interview teilgenommen hat: „Das habe ich doch so nie gesagt“, empörte sich der Geschäftsführer eines mittelständischen Zulieferbetriebes, als er den gedruckten Text seines letzten Interviews in Händen hielt. „Der Redakteur hat ja wohl überhaupt nichts verstanden, obwohl ich ihm ausführlich die Wettbewerbssituation dargestellt habe.“ Das Schlimmste für den Firmenchef ist, dass er jetzt in der Branche und bei seinen Mitarbeitern wie ein Depp dasteht. Hätte der Redakteur den Interviewpartner vorher den Text quer lesen lassen, wäre die Peinlichkeit eines schlecht recherchierten Artikels beiden Seiten erspart geblieben.
Gesetzeslage ist eindeutig
Dabei ist die Gesetzeslage vielen nicht bekannt: Der deutsche Pressekodex hebt darauf ab, dass Zitate und Interviews korrekt sind, wenn sie das Gesagte wiedergeben. Der Kommentar des Presserates stellt klar: Eine Autorisierung ist nicht zwingend erforderlich. In der Praxis hatte sich hingegen in den letzten Jahrzehnten ein partnerschaftliches Miteinander eingebürgert, das dem Interviewten die Möglichkeit gab das Stück auf inhaltliche Richtigkeit zu prüfen. Dieses Verfahren wird inzwischen aber pervertiert, klagen leidgeprüfte Journalisten. Jedes noch so harmlose Zitat soll diverse innerbetriebliche Kontrollinstanzen durchlaufen.
Schuldfrage ist nicht zielführend
Doch wer ist Schuld an dieser Entwicklung? Sind es ausschließlich die bösen Buben aus den PR-Abteilungen? Oder vielleicht die schwarzen Schafe in den Redaktionen, die ihre Geschichte schon vor dem Interview geschrieben haben und die Antworten nur noch so einbauen, dass es in ihre subjektive Wirklichkeit passt? Jeder zeigt mit dem Finger auf den Anderen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie so oft in der Mitte.
Hörfunk und Fernsehen mit vergleichbarer Situation
Wer übrigens meint bei Hörfunk- und Fernsehproduktionen sei man auf der sichereren Seite, da hier nur O-Töne eingesetzt werden, täuscht sich. Man wundert sich, was am Schneidetisch alles machbar ist. Außerdem sind der Kontext, in dem eine Aussage eingespielt wird, und die Kommentierung dazu extrem wichtig für die Wahrnehmung des Zuhörers oder Zuschauers. Hinzu kommt, dass in dieser Branche kein vorheriges Anhören oder Ansehen möglich ist – zumindest ist es (noch) absolut unüblich.
Es geht nur miteinander
Wer nun den Eindruck gewinnt, man hätte nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, liegt falsch. Man muss sich weder der Willkür des Redakteurs überlassen, noch auf aufmerksamkeitsstarke Medienauftritte verzichten. Wie generell bei Media-Relations gilt es eine langfristig angelegte Partnerschaft in vertrauensvoller Atmosphäre zu schaffen. Dabei sind sich beide Parteien darüber bewusst, dass man sich gegenseitig braucht. Wichtig ist es, mit offenen Karten zu spielen und die Spielregeln im Vorfeld offen anzusprechen. Dann ist es auch möglich, dem Journalisten Hintergrundinformationen off-records zu vermitteln. Und der Redakteur ist sicherlich bereit, auch mal ein Zitat aus dem Text zu nehmen, wenn sich der Interviewte im Eifer des Gefechts etwas vergaloppiert hat. Zur Kumpanei muss und soll das Verhältnis zwischen Journalismus und Public Relations aber nicht verkommen. Das würde den unterschiedlichen Zielsetzungen auch gar nicht gerecht werden. Der Journalist muss neutral berichten und seine Leser bestmöglich unterhalten. Dabei steht er im Wettbewerb mit den anderen Medien. Exklusivität und zeitlicher Vorsprung spielen dabei eine nicht unbedeutende Rolle. Public Relations sollen den Bekanntheitsgrad und das Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit positiv beeinflussen. Diese unterschiedliche Ansätze können nicht weggeredet und müssen respektiert werden. Gesunde Beziehungen basieren nun mal auf einem ausgewogenen Verhältnis von Geben und Nehmen – zum Vorteil aller Beteiligten.
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Ulrich Erler
Dipl.-Betriebswirt (BA), PR-Berater/PR-Redakteur (DPRG)
Hallgartenstraße 41
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Mobilfunk: 0171-4891235
E-Mail: info@erler-pr.de
Angaben zum Autor
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