„Diese Dauerbelästigung grenzt schon an Nötigung!“
von
Erler-PR
09.11.2008 - 13:35 Uhr - Werbung & Marketing
(prcenter.de) „Diese Dauerbelästigung grenzt schon an Nötigung!“
PR-Grundrauschen: Substanzloser Informationsbrei bläst Etats unnötig auf
Als ich mich kürzlich nach einer Präsentation bei einem Kunden verabschieden wollte, nahm er mich bei Seite und fragte: „Haben Sie nicht etwas vergessen?“ Ich überlegte, hatte aber keine Idee, was er meinte. „Na, das PR-Grundrauschen. Die anderen Agenturen haben das immer mit im Paket.“ OK, jetzt wusste ich was er meinte. Wenn eine PR-Agentur bei einem Retainer-Kunden ihr Jahresprogramm vorstellt, werden oft eine bestimmte Anzahl von Pressemeldungen mit in das Angebot gepackt, ohne sie thematisch konkret zu benennen. Das kann in manchen Fällen sinnvoll sein, um dem Kunden die Notwendigkeit des Gesamtbudgets zu verdeutlichen. Gerade wenn sich die Unternehmenskommunikation an externen Entwicklungen orientieren muss, lässt sich das oft nicht anders darstellen. Doch in vielen Fällen geht es nur darum, mit substanzlosem Informationsbrei unnötig Etats aufzublasen. Der PR-Berater hat keine Ideen, will aber seine Standardtools verkaufen und größtmöglichen Umsatz generieren. Gerne zieht die Agentur dann noch einen unsinnig aufgeblähten Verteiler als Abrechnungsgrundlage heran. Um erst gar keine Zweifel an der Notwendigkeit dieser unkreativen Vorgehensweise aufkommen zu lassen, wird noch alles fröhlich unter „Pflicht“ subsumiert. Was dann erst als „Kür“ vorgestellt wird, will man eigentlich gar nicht mehr wissen.
Ständiges Rauschen wird ausgefiltert
Argumentativ wird das so genannte PR-Grundrauschen mit dem Bild des steten Tropfens, der den Stein höhlt, gleichgesetzt. Dies geschieht in der Annahme, dass die Redaktionen nur so lange mit Meldungen zugeschüttet werden müssen, bis sie endlich etwas über das Unternehmen veröffentlichen. Das spricht den Journalisten nicht nur jegliche Intelligenz, sondern auch ihren Berufsethos ab. Davon abgesehen weiß man ja, wie das Ohr auf ständiges Rauschen reagiert – es filtert aus und nimmt es mit der Zeit nicht mehr wahr. Im schlechtesten Fall entwickelt der Adressat eine regelrechte Abneigung und stellt erst recht auf stur, selbst wenn es sich um eine substanzielle News oder eine interessante Story handelt. „Diese nervende Dauerbelästigung mit Briefen, Mails und Anrufen aus den PR-Agenturen grenzt teilweise schon an Nötigung“, klagt ein Redakteur aus dem Wirtschaftsressort einer Tageszeitung. „Je nach Absender, wandern bei mir inzwischen manche PR-Texte in den Müll, bevor ich sie gelesen habe.“
Ohne Fleiß kein Preis
Klar ist, dass die PR-Agentur für das Kundenunternehmen auch eine gewisse Lautsprecherfunktion ausübt. Aber doch bitte mit Sinn und Verstand. Ein guter PR-Berater weiß, welcher Redakteur an welchen Themen interessiert ist. Er kennt den Markt und kann beurteilen, wann eine Geschichte von öffentlichem Interesse ist oder vielleicht doch nur etwas für die Mitarbeiterzeitschrift. Und er recherchiert im Unternehmen Dinge, die dem Kundenunternehmen vielleicht ganz alltäglich erscheinen, aber in der Öffentlichkeit für ein Aha-Erlebnis sorgen. Immer up to date zu sein ist natürlich auch eine Fleißaufgabe, aber dafür bezahlt letztendlich der Kunde, und nicht für völlig unsinniges PR-Grundrauschen.
Kontakt und weitere Informationen:
Ulrich Erler
Dipl.-Betriebswirt (BA), PR-Berater/PR-Redakteur (DPRG)
Hallgartenstraße 41
60389 Frankfurt
Mobilfunk: 0171-4891235
E-Mail: info@erler-pr.de
Angaben zum Autor
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