„In der Flut des Lachens über die Wellen surfen...“: Postmoderne Abenteurer in der Karibik
von
Schwindkommunikation
24.01.2008 - 15:36 Uhr - Kunst & Kultur
(prcenter.de) „In der Flut des Lachens über die Wellen surfen...“
Karibische Absurditäten auf der Jagd nach Piratenschätzen, der Liebe und dem ganzen anderen Schwindel
Haiti, das Land direkt neben der Dominikanischen Urlaubsrepublik, ein Land gesellschaftlicher Umbrüche und kultureller Widersprüche, die erste unabhängige Schwarzenrepublik der Welt, ist in Europa praktisch unbekannt, ruft allenfalls Assoziationen zu Mythen des Voodoo oder Gestalten wie Papa und Baby Doc hervor.
Mit Erstübersetzungen des neu gegründeten Litradukt-Verlages wird es nun möglich, die bislang verschlossen gebliebene Vielfalt der zeitgenössischen haitianischen Literatur zu entdecken.
Louis-Philippe Dalemberts „Die Insel am Ende der Träume“ hat alle Elemente des klassischen Abenteurerromans, die rätselhafte Femme Fatale, den sagenumwobenen Schatz und mörderische Stürme auf hoher See. Und doch geht es um viel mehr, um den zum Scheitern verurteilten, oft parodistisch anmutenden und aberwitzig anmutenden Versuch, einen ungebrochenen Abenteurer in der Moderne darzustellen, um das Lebensgefühl des ewigen Vagabundierens und die Suche nach der Identität: „All dies mag seltsam erscheinen, aber seit ich mein Heimatland verlassen hatte, hatte ich gelernt, ein Individuum zu sein, nichts als ein Individuum. Mit anderen Worten ein Wesen ohne Vergangenheit und Geschichte in den Augen der anderen. Ohne jahrhundertealten Baum, der über deine Nabelschnur wacht.“ In einer kühnen Verwirbelung von Sprachen, Stilen und Lebensphilosophien entwickelt Dalembert mit starker Erzählstimme ein spannungsgeladenes Panorama einer von Bewegung geprägten Zeit und eine ausdrucksstarke Hauptfigur.
Die wilde Reise des namenlosen Erzählers bleibt immer „ein Gute-Laune-Buch, eine Art Schlementhriller mit einem märchenhaften Ende“, dennoch gelingt es der Geschichte „auch ihren politischen und gesellschaftskritischen Aspekt“ (Lutz Bunk im DLF Kultur) nicht aus den Augen zu verlieren.
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