Denn sie wissen nicht was sie tun...
von
www.migaloo.de
23.07.2009 - 18:47 Uhr - Politik & Gesellschaft
(prcenter.de) Warum ist der Mensch der Herrscher der Welt und warum handelt er nicht seiner Verantwortung entsprechend?
Diese ist eine der Kernfrage, die sich ein Außenstehender wohl stellen würde, wenn er die Möglichkeit hätte uns und unser Tun unvoreingenommen zu betrachten. Wenn man versucht objektiv die Geschehnisse zu beurteilen, kann man kaum zu einem anderen Schluss kommen, als dass die Spezies Mensch ein verlogenes, selbstsüchtiges und selbstzerstörerisches Wesen ist. Wir sehen uns selbst als Krönung der Schöpfung, in stiller Hoffnung, dass es einen Gott gibt, der uns am Ende alles verzeiht und unsere Fehler irgendwie wieder geradebiegt. Wenn es einen Gott gibt, hat er scheinbar anderes zu tun, als in sein „Experiment Erde” einzugreifen und lässt uns damit schalten und walten, wie es uns gerade gefällt.
Wir beobachten im Moment einen Wandel, den unser Klima durchlebt und versuchen panisch Probleme, die sich seit mehr als 100 Jahren angesammelt haben innerhalb weniger Monate, sogar zum Teil binnen weniger Wochen zu lösen. Ich möchte hier ein auf ein Beispiel der jüngeren Vergangenheit eingehen.
Problem:
CO² Konzentration steigt an und sorgt für eine Erhöhung des Treibhauseffektes der Erde.
Lösung:
Es werden, ohne die wirklichen Konsequenzen abschätzen zu können, Tonnen von Eisensulfat ins Meer verklappt, mit der Hoffnung eine Algenblüte würde Kohlendioxyd aus der Luft binden und zusammen damit zum Meeresboden sinken.
Fazit:
Die erwünschte Algenblüte trat ein, allerdings vermehrten sich auch Kleinkrebse so rasant, dass es am Ende zu einer Erhöhung der CO² Konzentration kam. Selbst wenn es nicht zu einer Vermehrung der Krebse gekommen wäre und wirklich ein gewisser Teil an Kohlendioxyd auf diese Weise auf den Meeresgrund verbracht werden könnte, bleibt immer noch die Frage, nach den langfristigen Folgen. Das Meer ist unser größter Speicher für CO² und wird bereits ohne von Menschenhand zusätzlich ins Meer verbrachtes CO² zusehendes saurer (sinkender PH-Wert, was massive Auswirkungen auf Korallen und Schalentiere hat). Bei einer weiteren Erwärmung der Meere ist damit zu rechnen, dass die Ozeane das am Meeresgrund gebundene Kohlendioxyd aufnehmen und es dann keine Möglichkeit mehr gibt, dieses zu stoppen.
Wer oder was gibt uns das Recht so massiv in den Kreislauf unseres Planeten einzugreifen? Der gesunde Menschenverstand kann es jedenfalls nicht sein. Sind wir wirklich so sehr von unserer geistigen und technischen Überlegenheit überzeugt, dass Vernunft nicht mehr von Nöten ist? Sind wir wirklich Gottes Geschenk oder doch eher der Fluch der Erde?
Viele machen sich Sorgen um die Zukunft der Rohstoffe und denken dabei primär an fossile Brennstoffe. Dabei sollte auch einmal über unsere wichtigste Ressource, das Wasser, nachgedacht werden. Große Teile unserer Welt sind bereits stark von Dürre und langfristigen Wassermangel bedroht auch wenn wir in den Industriestaaten davon noch nicht soviel mitbekommen. Das Wasser kommt hierzulande ja sauber und trinkbar aus dem Wasserhahn, dem ist aber woanders kaum so. Entweder finden wir einen Weg, Wasser aus dem Eis der arktischen Gebiete für unsere Zwecke zu gewinnen oder wir müssen endlich lernen sparsamer mit diesem kostbaren Gut umzugehen. Es ist nicht das tägliche Duschen oder wöchentliche Baden damit gemeint sondern eher der versteckte Wasserverbrauch. Kaum einer möchte oder kann sich die ungeheuren Wassermengen vorstellen, die zur Papier, Aluminium, Kunststoff oder Futtermittelherstellung verbraucht werden. Was wir beim offensichtlichen Verbrauch an Wasser verwenden macht nur einen Bruchteil von unter 1% der tatsächlichen verbrauchten Wassermenge aus. Das soll nun kein Freibrief zum ungenierten Wasserverschwenden in den heimischen vier Wänden sein, denn auch ein Bruchteil ist ein Teil des Ganzen. Wie sagt uns eine Weisheit: „steter Tropfen höhlt den Stein”.
Welche Mengen wir in der Zukunft brauchen werden, lässt sich schwer abschätzen, eines ist aber sicher, es wird nicht für alle und alles ausreichend sein. Wie können wir also dem Prozess entgegenwirken? Das fängt schon beim Einkauf von Lebensmittel an. Jute statt Plastik war schon vor über 20 Jahren ein Slogan mit dem versucht wurde, die Menschen dazu zu bewegen ihre Einkaufstaschen wiederzuverwenden und trotzdem ist die Tragetasche aus Kunststoff nach wie vor einer der mit am meisten verkauften Artikel des Lebensmitteleinzelhandels. Die Generation die zwischen 1950-1980 geboren wurde, ist häufig was diese Problematik angeht recht aufgeklärt, wenn man sich aber die darauffolgende Generation anschaut fällt auf, dass wegen jeder Kleinigkeit um eine kostenlose kleine Tragetasche gebeten wird. Wer hat dort versagt? Das Elternhaus oder doch die Schule, auf die gerne die Aufgaben der Eltern abgeschoben werden, wenn der Fernseher nicht weiterhilft?
Beim Thema Kunststoff fällt auch auf, dass man kaum noch, von Bier mal abgesehen, Mehrwegflaschen aus Glas sieht. Das Problem vor dem Einwegpfand, welches nicht nur alleine vom Wortsinn her aus ökologischer Sicht für Verwirrung sorgte, war dass der Weg von Mehrwegflaschen zu Einwegflaschen ging und unsere Regierung dieses, ohne es konkret langfristig zu durchdenken, verhindern wollte. Das Ende vom Lied kennen wir alle. Einwegflaschen wohin das Auge im Supermarkt oder Discounter auch nur blickt. Der Mehrweggedanke ist dem Recycling gewichen. Weniger Müll sieht man aber aufgrund des Einwegpfandes auf den Straßen nicht, die Wegwerfmentalität scheint sogar eher noch weiter angestiegen zu sein.
Aber Ökologie, Ökonomie und Politik sind ohnehin drei Gebiete, die kaum bis überhaupt nicht unter einen Hut zu bringen sind. Die Politik ist in erster Linie auf Machterhalt aus, während die Ökonomie sich eine Ausweitung von Erträgen auf die Fahnen geschrieben hat. Der ökologische Aspekt findet nur dann Beachtung, wenn keiner der beiden vorherigen Punkte gestört wird. Die Politiker im Parlament sollten eigentlich die Stimme des Volkes sein, doch warum versteht das Volk diese Stimme immer weniger? Niemand schafft es mit sovielen Worten nichts zu sagen als ein Politiker und dazu noch in einer Sprache, die dem Laien suggerieren soll, dass diese Herren und Damen alles fest im Griff haben und wissen wovon sie reden und dass wir uns um die Zukunft keine Sorgen machen müssen. Es spielt dabei keine Rolle welche der Parteien an der Regierung ist, denn sobald der nächste Wahlkampf ansteht wird wieder das Blaue vom Himmel herunter versprochen, was jedoch keinerlei Auswirkungen nach der Wahl hat, egal ob diese Versprechen eingehalten werden oder nicht.
Sind wir doch mal ehrlich zu uns selbst. Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, den Politikern endlich mal und zwar gehörig die Meinung zu geigen? Nicht nur Rio Reiser wollte einmal König von Deutschland sein und so mancher Nichtpolitiker unter uns hat durchaus brauchbare Ideen, die realitätsnah und zudem ökonomisch und ökologisch sinnvoll sind. Selbst wenn die Opposition eine Idee hätte, die alle Probleme sofort und nachhaltig lösen könnte, würde die Regierungskoalition diese Idee niemals mittragen, denn das würde einer Niederlage gleichkommen. Demokratie ist eine wunderbare Sache, wenn sie nicht durch Parteipolitik wie wir sie haben zunichte gemacht würde.
Dass gewählte Politiker nicht die Stimme des Volkes sind kann man auch in anderen Ländern erleben. Schauen wir uns als Beispiel man Kanada an, welche jedes Jahr ca. 300.000 Jungrobben zur Jagd freigeben und sogar eine auf den ersten Blick verständliche Antwort darauf geben. Die ca. 5.000.000 millionen Sattelrobben würden den Kabeljau soweit dezimieren, dass für die Fischerei nicht mehr genügend Fang übrigbleibt. Das klingt soweit ganz gut, wenn man nicht bedenkt, dass die Robben so gut wie keinen vom Menschen genutzten Fisch fressen. Studien haben erwiesen, dass die Robben sich zu einem nicht zu vernachlässigen Teil von Tintenfisch ernähren. Die Leibspeise der heranwachsenden Tintenfische sind die Larven des Kabeljaus. Desweiteren hinkt die Rechnung mit weniger Robben gleichbedeutend mit mehr Fisch nicht nur in diesem Punkt. Vor 80 Jahren gab es an der kanadischen Küste noch über 80.000.000 Robben und Fisch war in Überfluss für Mensch und Tier verfügbar. Wieso war trotz der 10-fachen Population an Robben überhaupt noch ein einziger Fisch vorhanden? Das dürfte nach der Rechnung des kanadischen Fischereiministeriums überhaupt nicht sein. Die Robben müssen für Jahrzehnte der falsch gesetzten Fangquoten und fehlender bzw. mangelhafter Regularien für ausländische Fischer herhalten. Weit über 50% der Kanadier sind übrigens gegen die Robbenjagd, doch beendet oder zumindest eingeschränkt konnte sie nur werden, als die Preise für die Felle soweit gesunken sind, dass sich ein Jagen nicht mehr lohnt, obwohl die Jagd ohnehin seit Jahren mit millionen Dollar von der kanadischen Regierung subventioniert wurde und wohl auch noch weiterhin wird, bis der letzte Lobbyist der Robbenjagd aus den Vorständen der Fischereibetriebe verschwunden ist.
Beim Thema subventionierte Jagd kann der Blick dann gleich ein paar tausend Kilometer weiter westlich schwenken, wo Japan seit über 20 Jahren den Walfang mit enormen Summen am Leben erhält. Aus gesundheitlicher Sicht ist der Verzehr von Walfleisch mehr als skeptisch zu betrachten, da Walfleisch hohe Konzentrationen an Schwermetallen und Pestiziden aufweisen. Alleine der Quecksilbergehalt ist bis um das 1000-fache der empfohlenen Grenzwerte überhöht und somit vor allem für Schwangere, Säuglinge und Kinder mittel- bis langfristig so schädlich, dass eine Störung des zentralen Nervensystems wahrscheinlich ist. Nichts desto trotz wird das Walfleisch an Schulkantinen ausgegeben, wo die Kinder quasi gezwungen werden dieses Gift zu essen. Japans Regierung behauptet, dass die steigende Bevölkerung der Erde nur mit nachhaltiger Nutzung der Meere und vor allem der Nutzung der Meeressäuger ernährt werden könne. In einem Punkt haben sie Recht, die Versorgung der Weltbevölkerung mit tierischen Produkten ist auf lange Sicht nicht mehr in heutigem Umfang möglich ohne, dass neue Ressourcen erschlossen werden. Das Meer ist aber längst über seine Belastungsgrenze hinweg ausgebeutet und auch die Landmassen werden zurzeit schon zu über 65% alleine für die Ernährung der Welt verwendet und die Meere werden in nicht einmal 30 Jahren für die Fischerei unrentabel sein.
Was also tun? Kommerzieller Walfang für alle, die Fehler der Vergangenheit ignorieren und die Meeressäuger endgültig der Ausrottung preisgeben? Was kümmert es uns? Wir, die heute Leben, sind doch in spätestens 70 Jahren nicht mehr da und nachfolgende Generationen können sich dann darum kümmern. Genau diese Einstellung ist aber unser Problem. Immer versuchen wir den schwarzen Peter an jemanden anderen weiterzureichen und hoffen, nein wir gehen einfach davon aus, dass das Problem dann gelöst wird. Wenn es dann nicht klappt, können wir ja sagen, dass es nicht unsere Schuld war, denn die Verantwortung haben wir ja anderen überlassen.
Nur leider haben wir nicht mehr die Zeit den Kopf einfach in den Sand zu stecken und abzuwarten, dass irgendetwas oder irgendwer uns und unseren Planeten zurück auf die richtige Bahn lenkt. Es hilft nicht, wenn man sein Gewissen erleichtert und ein paar Euros spendet, aber nicht bereit ist selbst etwas zu unternehmen und zu verändern, und sei es auch nur bei sich selbst. Ansonsten ist es wohl Pech für den Planeten Erde, dass die Spezies Mensch aus der Evolution als derzeitiger Herrscher hervorgegangen ist und dies bis zur eigenen Ausrottung auch bleiben wird.
Angaben zum Autor
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Thomas Buiter
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