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Deutscher Presserat wiegelt bei illegaler Tabakwerbung ab

von RSS-Feed Aktiv Rauchfrei
03.05.2010 - 13:56 Uhr - Medien, Internet & Telekommunikation

(prcenter.de) Der Deutsche Presserat steht in der Kritik, seine Pflicht zur Beseitigung von Missständen in der deutschen Presse nicht ernsthaft wahrzunehmen. Insbesondere bei Tabakwerbung, die seit 2006 in deutschen Printmedien ohnehin verboten ist, scheint dem Presserat jegliche Objektivität zu fehlen.

Im konkreten Fall einer Beschwerde wegen eines eklatanten Verstoßes der Süddeutschen Zeitung gegen den Pressekodex, Richtlinien Ziffer 7.2 "Schleichwerbung" und Ziffer 11.6 "Drogen", wiegelt der Deutsche Presserat die Kritik mit teilweise hanebüchenen Argumenten ab. Dabei leugnet er nicht einmal, dass es sich um Tabakwerbung handelt, sondern versucht nur diesen Verstoß gegen Pressekodex und Tabakgesetz herunterzuspielen.

Die Beschwerde richtet sich insbesondere gegen ein großes dpa-Foto auf der Titelseite zu einem Artikel über den Afghanistan-Krieg. Darauf sind gut erkennbar eine Packung Zigaretten und Schnupftabak nebst weiteren Rauchutensilien abgebildet, daneben ein Schild mit der Aufschrift "Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt".

Der Presserat lehnt die Beschwerde mit der lapidaren Begründung ab, "dass die Dokumentationsabsicht des Bildes im konkreten Fall eindeutig die nach unserer Auffassung sehr geringe Werbewirkung für die abgebildeten Produkte eindeutig überlagert".

Der Deutsche Presserat interpretiert seine eigenen Regeln noch weitaus großzügiger, als es deutsches Recht zulässt. Selbst deutsche Gerichte, die sich bereits mehrfach mit illegaler Tabakwerbung in Printmedien auseinandersetzen mussten, haben entschieden, dass das Werbeverbot nicht nur jegliche Abbildung von Tabakwaren beinhaltet, sondern selbst Image-Werbung für die Tabakindustrie.

Weiter führt der Presserat aus, "auch eine Verharmlosung von Drogen konnten wir nicht erkennen. Mit dem Bild und dem beigestellten Text wird lediglich dokumentiert, dass Helmut Schmidt auch im hohen Alter nach wie vor nicht davon abweicht, Tabakprodukte zu konsumieren."

Der Presserat bleibt jedoch jegliche Erklärung schuldig, in welchem Zusammenhang diese "Dokumentation" mit dem Afghanistan-Konflikt steht, um den sich die Berichterstattung dreht. Wohl gemerkt, es geht hier um einen Krieg, internationale Terroristen und Attentate, bei dem Menschen ums Leben kommen. Aber die Süddeutsche Zeitung sieht ihre journalistische Aufklärungspflicht der damit verbundenen Entscheidungen über Leben und Tod vorrangig in der Berichterstattung über die suchtgelenkten Marotten eines alten Mannes.

Die Süddeutsche Zeitung verliert dabei aber kein Wort darüber, dass Helmut Schmidt derart der Nikotinsucht verfallen ist, dass er keinerlei Rücksicht auf seine Mitmenschen nimmt, und sogar die Gesetze zu deren Schutz missachtet. Die Süddeutsche Zeitung verschweigt, dass der Altbundeskanzler bereits seit 1981 einen Herzschrittmacher trägt, und zuvor bereits zweimal wegen Adams-Stokes-Anfällen wiederbelebt werden musste. Die Süddeutsche Zeitung verheimlicht, dass Schmidt sich im Jahr 2002 wegen eines lebensbedrohlichen Herzinfarkts einer Bypass-Operation unterziehen musste und inzwischen schon vier Bypässe zum Überleben benötigt.

Statt dessen zeigt die Süddeutsche Zeitung einen 91-Jährigen, der so agil und rüstig ist, dass er in seinem hohen Alter noch die Geschicke der Weltpolitik mitbestimmen kann. Die Süddeutsche Zeitung stellt den Altkanzler als einen gesunden Menschen dar, der sich selbst in seinem hohen Alter noch den Genuss von Zigaretten und Schmupftabak erlauben kann.

Diese unausgewogene Darstellung gibt die Realität stark verzerrt wieder, wobei man insbesondere den professionellen Journalisten der Süddeutschen Zeitung und der dpa als Urheber des Fotos unterstellen muss, dass dies weder unbeabsichtigt noch grundlos erfolgte. Das Blatt erweckt damit bewusst den Eindruck, dass Tabakkonsum auch im hohen Alter noch gefahrlos möglich sei. Im Einklang mit der gerne von der Raucherlobby vorgebrachten These wird Helmut Schmidt als lebender "Beweis" dafür angeführt, dass Tabakkonsum keineswegs zu einem vorzeitigen Ableben führt, selbst wenn man seit dem frühesten Kindesalter der Nikotinsucht verfallen ist.

Aber der Deutsche Presserat behauptet frech, "nach unserer Auffassung stellt diese Information keinerlei Verharmlosung von Tabak dar. Durch Bild und beigestellten Text entsteht nicht der Eindruck, als sei Tabak ungefährlich." Statt den gemeldeten Verstoß zu ahnden und sich für eine zukünftige Vermeidung einzusetzen, versucht der Presserat den Missstand durch banale Ausreden und Auffassungen wegzudiskutieren.

Mit seiner Haltung fügt der Deutsche Presserat dem Ansehen der Presse nachhaltigen Schaden zu, und zerstört das Vertrauen in den Kontrollmechanismus, der eine anhaltend hohe Qualität der journalistischen Berichterstattung gewährleisten soll. Der Deutsche Presserat untergräbt den Glauben an die Unabhängigkeit der Presse in Deutschland durch seine nicht nachvollziehbare Billigung von illegaler Tabakwerbung in einer deutschen Zeitung.

Erklärungsbedarf für diese Ungereimtheiten besteht nicht nur seitens des Presserates. Angesichts der Verbrüderung vieler Journalisten mit der Tabaklobby, die sich beispielsweise in Veranstaltungen wie dem Liberty Award manifestiert, scheint hier ebenfalls die notwendige Unabhängigkeit der Journalisten - und damit der Presse allgemein - nicht gegeben zu sein.

So betätigt sich beispielsweise Dr. Wilm Herlyn, fast zwei Jahrzehnte Chefredakteur der Deutschen Presseagentur (dpa), seit vier Jahren im Netzwerk der Tabaklobby als Jury-Mitglied beim Liberty Award, der vom Tabakkonzern Reemtsma gesponsert wird. Der Liberty Award vereinnahmt unter dem Vorwand einer Preisverleihung für angeblich unabhängige Journalisten neue Mitglieder für dieses Netzwerk. Interessanterweise ist die Öffentlichkeit beim Liberty Award ebenso wie nicht ausdrücklich geladene Journalisten ausgeschlossen.

Angaben zum Autor
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Trotz verbesserter gesetzlicher Rahmenbedingungen leiden insbesondere Kinder und Atemwegserkrankte (ca. 10 Millionen in Deutschland) immer noch massiv unter dem Passivrauch. Aktiv Rauchfrei setzt sich aktiv für eine rauchfreie Zukunft ein, damit alle Menschen ihr Recht auf eine tabakrauchfreie Atemluft wahrnehmen können.

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