Die viertreichste Nation der Erde mit dem lange Zeit weltweit höchsten Mindestlohn ist Pleite!
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20.02.2009 - 17:39 Uhr - Wirtschaft, Handel & Industrie
(prcenter.de) Irland: Das Land mit 4,2 Millionen Einwohnern, das lange Zeit als Eldorado galt, steht kurz vor dem Bankrott. Noch vor zwei Jahren war der Inselstaat die viertreichste Nation der Erde und lockte mit einem der geringsten Steuersätze und dem weltweit höchsten gesetzlichen Mindestlohn viele an.
Nun das Aus: Unternehmenspleiten, Massenentlassungen, Rückzug ausländischer Investoren und täglicher Niedergang einer weiteren Bank. Die Staatskassen sind ebenfalls inzwischen leer und der hohe staatlich fixierte Mindestlohn ein nutzloser Tiger, der den Arbeitnehmern nicht einmal mehr hilft für den halben Lohn eine Arbeit zu finden. Irland ist eines der von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise am stärksten bedrohteste Land der Welt.
Der "weltweite Finanz-Tsunami" und die nun kursierende Weltwirtschaftskrise zieht ihre
Runden und erwischt immer mehr Staaten in einem existenziellen Maße, so dass vielerorts bereits von einem "Neuaufbau" des Wirtschafts- und Arbeitsmarkts gesprochen wird.
Während die meisten der G20-Industriestaaten zwar mächtige Einbußen erlitten haben, stehen viele doch zumindest noch auf einem relativen guten Fundament der früheren Jahre. Staaten, die in den letzten 10 bis 20 Jahre stark gewachsen sind, wie z.B. die osteuropäischen Staaten sowie China und viele andere Drittländer, sind die größten Verlierer, das ist bereits derzeit sicher absehbar.
Und gerade auch Irland gehört als eine der am steilsten in den letzten 15 Jahren aufsteigenden Nationen zu den am stärksten betroffenen Staaten.
>> Irland ist Pleite - Rekordwachstum und Mindestlohn längst Vergangenheit
Irland: Europas "Tigerstaat" kletterte vom Agrarstaat zur Industrienation
Seit Anfang der 1990er-Jahre wuchs der Agrarstaat Irland als eines Schlusslichter Europas - nicht zuletzt auch durch die frühe Euro-Einführung - mit Wachstumsraten von jährlich 7 % und mehr zu der - vor 2 Jahren noch - viertreichsten Nation der Erde.
Während die Agrarwirtschaft und der Tourismus vor 15 Jahren noch die Haupteinnahmequelle der Iren war, entstand in rasanter Geschwindigkeit ein Industriestaat, dessen gesamte Wirtschaftsleistung zu 50 % aus exportierenden Industriebetrieben stammte.
Der Boom lockte über 400 internationale Unternehmen und 40 Finanzinstitute wie der Käse die Mäuse an, so dass Irlands Dienstleistungssektor durch ausländisches Kapital zur internationalen Geldmaschine wurde. Eine nicht aufzuhaltende Spirale bracht Irland ganz an die Spitze und ermöglichte Senkungen der Körperschaftssteuer von 32 auf unter 13 % innerhalb von 5 Jahren und eine Herabsetzung des Eingangsteuersatzes für private Einkommen auf 10 %.
Die Staatsrenten von 223 Euro wöchentlich sicherten eine angenehmen Lebensabend, das Bildungssystem war für jeden EU-Bürger kostenlos und das staatliche Gesundheitssystem kam ohne jegliche Zuzahlungen der Patienten aus.
Höchster Mindestlohn lockte Arbeitnehmer aus ganz Europa an.
Ziemlich genau vor zwei Jahren, d.h. Anfang 2007, war Irland der Staat mit dem höchsten Mindestlohn weltweit und auch Luxemburg, das derzeit den Spitzenmindestlohnplatz mit 9,49 € pro Stunde übernahm, hatte damals noch eine geringere staatlich fixierte Lohnuntergrenze.
Dieser hohe Mindestlohn lockte jahrelang viele Arbeitnehmer aus anderen EU-Staaten, insbesondere auch aus Polen, sowie weltweit an.
Doch bereits seit über einem Jahr sind viele der ausländischen Arbeitnehmer wieder zurück in ihr Heimatland gegangen.
Die schwierige Arbeitsmarktsituation gewährleistete vielen der in Irland tätigen Expatriates schon länger keinen sicheren Arbeitsplatz mehr; ausgenommen hiervon waren spezialisierte Fachkräfte, die teilweise noch bis zum Jahreswechsel geblieben sind, jetzt aber das "sinkende Schiff" ebenfalls verlassen haben.
Wohlfahrtsstaat Irland Bankrott - Auswege und Hoffnung für den Pleitestaat gering
Der einzige Vorzeigestaat der EU mit Wachstum, wie im Bilderbuch sowie einem zuletzt sogar um 20 % höheren Pro-Kopf-Einkommen als in der Bundesrepublik Deutschland ist nun in zwei Jahren im freien Fall in den Bankrott der gesamten Nation gestürzt. Riskante Finanzgeschäfte, Umsatzrückgänge der Industrie, ausbleibende Exportgewinne, Aufstieg der Schulden von Unternehmen und Privaten sowie rapide sinkende Werte früher sehr teurer Immobilien sowie die Bankenkrise (auch KfW-Tochter IKB) führten seit 2007 zum Zusammenbruch des gesamten Staates, ähnlich wie in Island.
Schlangen vor den Arbeitsämtern - Zahlung erst nach 8 Wochen
Der wirtschaftliche Absturz des noch vor 20 Jahren als armer Agrarstaat geltenden Irlands führt zu Unternehmensinsolvenzen und Massenentlassungen in fast jedem Industriebetrieb. Die Arbeitnehmer stehen vor den Arbeitsämtern Schlange und zuletzt erhielten die Arbeitslosen häufig ihre Leistungen erst nach über acht Wochen.
Auch Proteste und Demonstrationen änderten daran kaum etwas.
Trotz hohem gesetzlichen Mindestlohn zum Niedriglohn-Land geworden
Der hohe Mindestlohn von aktuell 8,65 € pro Stunde wurde bereits im letzten Jahr eingefroren. Gewerkschaften und Arbeitgeber einigten sich auf Drängen des Staates für 2008 auf eine Nullrunde.
Doch nun hilft den - laut Experten - bereits über 16 % Arbeitslosen auch der hohe Mindestlohn nichts. Die Fabrikarbeiter sollen ihre Arbeitskraft bereits zu einem Stundenlohn von unter 5,00 € anbieten und das nicht ohne Erfolg. Kleinere Unternehmen sollen ihre Produktion im Ausland bereits verringert haben und wieder vermehrt in Irland mit Tageslöhnern zu einem Stundensatz von unter 5,50 € fertigen, um Kosten zu sparen.
EU wird Unterstützung bieten und Irland aus dem Pleitekeller helfen
Irland, das lange als "Musterland" der EU galt, kann - anders als Island - auf die Hilfe der Europäischen Union hoffen. Der offene Bankrott Irlands würde den Euro ins Wanken bringen, weshalb - wenn auch ohne nominale Verpflichtung - die anderen EU-Staaten Irland unter die Arme greifen müssen, um nicht die Währungsunion massiv zu gefährden.
Auch Finanzminister Peer Steinbrück äußert sich bereits in dieser Richtung öffentlich zu der "sehr schwierigen Situation" Irlands und bei der EU sollen bereits erste Rettungsgespräche im Laufen sein.
Dies ist auch wichtig, denn dem irischen Staat ist aufgrund der deutlich für ihn gestiegenen Zinsen, die etwas 4 bis 5 % über denen anderer Staaten liegen, eine weitere Verschuldung kaum mehr möglich.
Nicht auszuschließen ist, dass die anderen EU-Staaten den Iren die "Pistole auf die Brust" setzen und die Unterstützung an die bisher von Irland verweigerte Zustimmung zur Ratifizierung des Lissabon-Vertrags knüpfen.
==> Eine aktuelle Übersicht aller Mindestlöhne in der EU finden Sie unter: http://www.arbeit-eu.info/?L%E4nderinformationen:EU-Staaten:EU-Mindestl%F6hne
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