Folgen häuslicher Gewalt
von
Gabriele Remscheid
17.01.2010 - 16:14 Uhr - Politik & Gesellschaft
(prcenter.de) Die Folgen häuslicher Gewalt
Im letzten Artikel habe ich geschrieben wie häusliche Gewalt entstehen kann. Heute möchte ich auf die schwerwiegenden Folgen zu sprechen kommen. Diese Folgen belasten allein das Gesundheitswesen mit mehreren Millionen Euro im Jahr. Häusliche Gewalt gilt weltweit als eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen und rangiert noch vor Verkehrsunfällen und Krebserkrankungen. Gewalt als Ursache für gesundheitliche Probleme wird aber selten identifiziert. Wenn die behandelnden Ärzte keine Verbindung zwischen den Symptomen und dem Verdacht auf Gewalteinwirkungen vermuten oder erkennen, werden oft Behandlungen verordnet, die unwirksam sind oder sogar schädliche Folgen für die Frau haben können.
Da es verschiedene Formen von häuslicher Gewalt gibt, haben sie auch unterschiedliche Folgen für die Betroffenen. Unabhängig von der Gewaltform gibt es jedoch Folgen die für alle Opfer ähnlich sind. Die psychischen und meistens auch körperlichen Grenzen des Betroffenen werden brutal durchbrochen. Jegliche Gewalt ist für das Opfer demütigend, verletzt ihr Selbstbild und Selbstwertgefühl. Dies hat einen Vertrauensverlust zur Folge.
Die Konsequenzen für den Betroffenen durch die zugefügte Gewalt sind meistens:
Gesundheitliche, soziale, finanzielle und psychische Folgen. Jede diese Gewaltformen kann für die Betroffenen zu gesundheitlichen Einschränkungen und sogar zu ernsthaften Erkrankungen führen. Nicht selten werden aus Gewaltopfern chronisch Kranke, weil die Ärzte den Zusammenhang nicht erkennen. Weil die Helfer nicht ausreichend geschult sind. Bei einigen Betroffenen gehen die Folgen so weit, das sie nur noch eingeschränkt oder auch gar nicht mehr arbeitsfähig sind. Soziale und finanzielle Einschränkungen folgen der Gewalt.
Häusliche Gewalttaten haben vielfältige, zum Teil auch chronische psychische und psychosomatische Beschwerden zur Folge[1]. Viele Verletzungs- und Krankheitssymptome, aber auch Verhaltensweisen können ein Hinweis auf erlittene Gewalt sein. Die Häufung mehrerer körperlicher und psychischer Symptome erhöht den Verdacht auf Gewalterfahrungen des Patienten.
Hier nur einige typische Folgen von häuslicher Gewalt:
· Chronische Schmerzsyndrome
· Reizdarmsyndrome, Magen-Darm-Störungen
· Posttraumatische Belastungsstörungen
· Depressionen, Ängste, Schlafstörungen
· Panikattacken, Essstörungen
· Interesselosigkeit
· Verlust von Selbstachtung und Selbstwertgefühl
· ungewollte Schwangerschaften
· Beziehungs- und Kommunikationsstörungen
· Arbeitsplatzverlust, Isolation
· Verlust der Familie, des Freundeskreises
· Angst vor Kindesentzug, Angst vor Ächtung
· Überschuldung
· Armut
· Arbeitslosigkeit, Rentenminderung
· Rauchen
· Tabletten-, Alkohol- und Drogenmissbrauch
· risikoreiches Sexualverhalten
· Suizid
Dies ist nur eine Auswahl der Folgen. Meistens trifft mehr als ein Punkt der oben genannten zu.
Häusliche Gewalt schädigt betroffene Frauen nicht nur körperlich sondern auch seelisch. Viele Opfer blicken auf einen langen Leidensweg zurück, der von Herabwürdigung und Unterdrückung begleitet wird. Das Selbstvertrauen ist angeschlagen. Die Frauen haben den Mut verloren, sich zu wehren und meinen oft sogar, sie seien selber schuld. Als psychische Folgen sind bei misshandelten Frauen zu nennen: ausgeprägte Schüchternheit, Verlegenheit, ausweichende Reaktionen, Misstrauen, Schreckhaftigkeit, Passivität, häufiges Weinen, Angst- und Panikattacken, Scham- und Schuldgefühle, Gefühle der Beschmutzung und Stigmatisierung, niedriges Selbstwertgefühl, Zustände von Verwirrtheit und Schuldversagen, Phobien, Depressionen sowie selbstverletzendes Verhalten und Suizidgedanken. Eine erhebliche Anzahl von Frauen und Mädchen versucht, erlebte Gewalt mit Hilfe von Medikamenten, Alkohol und Drogen zu bewältigen. Auch die Entwicklung von Essstörungen ist häufig die Folge von Gewalterfahrungen. Gewalt gegen Frauen schließt auch ökonomische und finanzielle Folgen mit ein, das heißt, der Mann bestimmt über die Ausgaben des Familieneinkommens. Dabei verhält er sich egoistisch, vertrinkt das Geld oder gibt es für eigene Hobbys aus. Die Frau hat keine oder nur geringfügige finanzielle Mittel. Dies wiederum führt zur ökonomischen Abhängigkeit. Auch sind gemeinsam eingegangene finanzielle Verpflichtungen für das eigene Heim oder die Mithaftung für das gemeinsame Familienunternehmen oft ein Grund, jahrelang in einer Gewaltbeziehung auszuharren.
Viele der oben genannten Folgen treffen auch auf mich zu. Ich bin seit fünf Jahren in ständiger Behandlung und habe den Kampf aufgenommen, wieder ein halbwegs normales und selbstbestimmtes Leben zu führen. In meinem Buch „Gesprengte Fesseln“, welches seit Oktober im Handel ist erzähle ich darüber. Der zweite Teil ist in Arbeit und wird sich hauptsächlich mit den Auswirkungen auf mein und das Leben meiner Kinder nach der Gewalt befassen.
Gabriele Remscheid
Angaben zum Autor
Gabriele Remscheid
Postfach 1226
41838 Wegberg
02436/382377
gabrieleremscheid@ymail.com
Gabriele Remscheid, Jahrgang 1964, geboren in Köln, lebt mit ihrem Mann am Niederrhein. Wer die Autorin näher kennt, beschreibt sie als verletzlich, sensibel. Ihre große Klappe hilft über Unsicherheiten hinweg. Sie schreibt seit über zwanzig Jahren. Ihr erstes Buch "Gesprengte Fesseln" ist der Weg, die Vergangenheit zu bewältigen. Gabriele nutzte das Schreiben, brachte Gegebenheiten, Gedanken und Gefühle zu Papier
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