Häusliche Gewalt
von
Gabriele Remscheid
12.01.2010 - 14:52 Uhr - Politik & Gesellschaft
(prcenter.de) Häusliche Gewalt
Auf meiner Suche nach Organisationen finde ich im Netz viele Informationen. Aber auch sehr unterschiedliche Definitionen des Begriffes „Häusliche Gewalt“. Ich möchte hier einmal versuchen auf zu zeigen wie sich diese Gewalt aufbaut.
Kein Mensch würde sich freiwillig in eine Partnerschaft begeben die schon zu Beginn eindeutig gewalttätig ist.
Am Anfang scheint alles in Ordnung. Man fühlt sich wohl, der Partner ist besorgt und fürsorglich. Die Freizeit verbringt man größtenteils zusammen. Häufig werden die eigenen Freunde vernachlässigt, Hobbys nur noch sporadisch aus gelebt. Keine Sorge dies muss nicht zwangsläufig in Gewalt enden, sondern ist in den meisten Beziehungen am Anfang völlig normal.
Nach einiger Zeit legt sich die Verliebtheit der Alltag hält Einzug. Einer von beiden merkt plötzlich das ihm seine früheren Aktivitäten fehlen. Als er dies laut äußert scheint der Partner dafür Verständnis zu haben, versteht es aber geschickt diese Aktivitäten zu unterbinden. Langsam aber unaufhörlich beginnt er sein Opfer von der Umwelt zu isolieren. Er gibt vor was man unternimmt, mit wem man sich trifft. Später kontrolliert er sogar die Telefonanrufe. Wenn der Betroffene dies bemerkt ist es meist schon zu spät, er ist allein hat außerhalb der Beziehung keinen Ansprechpartner mehr. Diese Phase kann man auch mit Manipulation bezeichnen.
Im weiteren Verlauf wird er den Partner immer mehr einengen und kontrollieren. Selbst Überstunden auf der Arbeit und somit kein pünktliches nach Hause kommen provozieren Auseinandersetzungen. Ein weiterer Schritt in die Gewalt ist getan. Wenn der Betroffene nicht spätestens jetzt die Notbremse zieht, und sich klar macht das er so nicht leben kann oder möchte, ist der weitere Weg meist vorgezeichnet. Was als Manipulation und psychische Gewalt begann wird sich steigern.
In der nächsten Phase wird der Betroffene alles unternehmen um keinen Fehler zu machen, nur den Partner nicht reizen. Das Selbstbewusstsein ist mittlerweile dermaßen untergraben, das man seinen eigenen Empfindungen nicht mehr traut. Man richtet sein Leben völlig auf den Partner ein. Ihm zu gefallen und nicht seinen Unmut zu erregen wird der Lebensmittelpunkt.
Dies alles wäre schon schlimm genug um die Beziehung zu beenden, doch der Betroffene ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr handlungsfähig er steht völlig im Bann des Täters. Selbst wenn dann die körperliche und oder sexuelle Gewalt noch hinzu kommt, findet der Betroffene häufig Entschuldigungen für den Täter. Er würde nie auf die Idee kommen, den Fehler beim Täter zu suchen.
Wie definiert man jetzt also häusliche Gewalt? Reicht es schon wenn mein Partner mir sagt das ihm nicht gefällt wenn ich mich heute Abend noch mit Freunden treffe? Ist dies schon der Beginn? Oder muss er erst zuschlagen damit wir von Gewalt sprechen? Meiner Meinung nach beginnt die Gewalt dort, wo mein Partner versucht mich zu manipulieren. Wo er beginnt meine Persönlichkeit mit Worten zu missachten, mich beleidigt und erniedrigt. Dies muss sich kein Mensch gefallen lassen und er sollte sich dies aufs energischste verbieten.
Wo finden Betroffene Hilfe? Wie können sie eine solche Beziehung beenden?
In jeder Stadt oder Gemeinde gibt es Organisationen die weiter helfen, am einfachsten findet man diese über das Internet oder fragen Sie im zuständigen Rathaus, man hilft Ihnen gerne weiter.
Bewusst habe ich hier nur von Betroffenen und Täter gesprochen, ohne Geschlechter zu benennen. Auch wenn Statistiken belegen das jede vierte Frau in Deutschland schon einmal Opfer häuslicher Gewalt war, gibt es neue Studien die beweisen das auch Frauen Täter sein können. Genauere Zahlen liegen dazu aber noch nicht vor.
Aus eigener Erfahrung kann ich nur jedem Betroffenen raten „BITTE NICHT SCHWEIGEN“ Geh mit Deinem Leid an die Öffentlichkeit, nutze die vielen Hilfsangebote die es gibt. Ganz wichtig auch die ärztliche Hilfe durch erfahrene Therapeuten. Allein kann die Seele diese Erfahrungen nicht verarbeiten. Ich bin auch heute noch, zwölf Jahre nach meinen Gewalterfahrungen, in Behandlung. Erst seit zwei Jahren habe ich den Mut mit meiner Geschichte offen um zu gehen. Habe sie mittlerweile niedergeschrieben und im Oktober 2009 als Buch veröffentlicht.
Ich wünsche allen Betroffenen das sie schaffen Ihrer persönlichen Hölle zu entfliehen. Das sie kompetente Hilfe bekommen, um ein neues selbstbestimmtes Leben führen zu können.
Gabriele Remscheid
Angaben zum Autor
Gabriele Remscheid
Postfach 1226
41838 Wegberg
Autorin Gabriele Remscheid
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