Harbiner Unternehmertage in Magdeburg 2011: Sachsen-Anhalt im Dialog mit China erfolgreich
von
German Global Trade Forum Berlin
18.04.2011 - 20:05 Uhr - Politik & Gesellschaft
(prcenter.de) Berlin – Die Drachenbändiger kommen bekanntlich aus Deutschland. Die Zeit der Drachen ist Dank ihnen an sich Geschichte. Mit der Wirtschaftsmacht China indes scheint das „Drachenthema“ wieder aktuell zu sein. Groß, mächtig aber dennoch schnell aus dem „inneren Gleichgewicht zu bringen, wenn auch nur ganz wenige kritische Stellen getroffen werden“, so stellt sich China in diesen Tagen dar. Kein leichter und vor allem kein berechenbarer Partner. Irgendwie kommt man aber im Zeitalter der Globalisierung weder an den „Drachen“ noch an den „Elefanten“ („Indien“). „Große Tiere“ erfordern stets große Aufmerksamkeit. Dieser nicht gerade eben leichten Ausgangslage stellte sich vor dem Hintergrund der immer wieder irritierenden innenpolitischen Entwicklungen in China die alte Hansestadt Magdeburg mit der Veranstaltung der ersten „Harbiner Unternehmertage“ in deutschen Landen. Mit der Eröffnung einer Fotoausstellung im Magdeburger Karstadt-Kaufhaus endete am vergangenen Sonnabend der fast dreitägige offizielle Besuch einer äußerst hochrangigen Wirtschaftsdelegation der nordchinesischen Metropole Harbin, aktiv gepflegte Partnerstadt von Magdeburg, die unter der Leitung des noch sehr jungen aber international erfahrenen stellvertretenden Bürgermeisters von Harbin Jiao Yuan Chao stattfand. Wirtschaftspolitische Höhepunkte der 27 Funktionsträger und Unternehmen umfassenden Delegationsreise waren die „Harbiner Unternehmertage in Magdeburg“ sowie das Unternehmens- und Kontaktmatching, das vom Internationalen Büro der Stadt Magdeburg in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, der IHK Magdeburg, dem German Global Trade Forum Berlin, dem China Arbeitskreis von Sachsen-Anhalt und Institutionen und Einrichtungen der Region, veranstaltet wurde. Mit der langjährigen Mitarbeiterin der Deutschen Botschaft in Beijing Dr. Gundula Henkel, der Desk-Managerin Melanie Diedrich kann das unter der Leitung des Ersten Beigeordneten für Wirtschaft Rainer Nitsche stehende Internationale Büro auf eine kleine, aber höchst effektive „Mannschaft“ zur Kontaktpflege und Entwicklung der Städtebeziehungen zurückgreifen, die nicht nur große Herausforderungen wie China meistern kann, sondern z.B. auch die Städteverbindungen zu Le Harvre in Frankreich oder aber Südafrika.
Die Delegationsreise war der vorläufige Höhepunkt einer sowohl nachhaltigen als auch sehr konkreten Zusammenarbeit der Regionen in den letzten Jahren, die durch regelmäßige Besuche, Messebeteiligungen aber auch gemeinsam vereinbarte Projekte gekennzeichnet sind.
Obwohl die Größenverhältnisse sehr unterschiedlich, die Ausgangsbedingungen nicht unbedingt einfach und allein die Entfernungen zwischen der Landeshauptstadt Magdeburg und der Metropole Harbin durchaus gewaltig sind, entwickeln sich die Beziehungen erfolgreich und tragen auf beiden Seiten zur Belebung der Internationalisierung, des gegenseitigen Verständnisses aber auch zu direkten Investitionen und Projekten im jeweils anderen Land bei, wie die Vielzahl der in Magdeburg unterzeichneten Absichtserklärungen zwischen deutschen und chinesischen Partnern eindrucksvoll unterstreicht.
Magdeburg, verkehrsgünstig an den Schnittstellen der wichtigsten Verkehrswege in Zentraleuropa gelegen, profilierte sich dabei als Landeshauptstadt mit Herz und als „Otto-Stadt“ als eine für Chinesen immer wieder bedeutsame Stadt mit Geschichte, Tradition und einer herzlichen und darüber hinaus liebevollen Kulturgeschichte, die in ihrer Eigenart im Land der Mitte noch unbekannt ist. Dass Sachsen-Anhalt den Anspruch als „Märchenland“ nicht nur erheben, sondern durch die vielen kulturhistorisch bedeutsamen Denkmäler und Städte unter Beweis stellen kann, war in der während der Besuchstage nachgewiesenen Tiefe bislang in China unbekannt.
Die geheime Wirkung von Gästebüchern
Zu einem Ereignis besonderer Art wurde die im Anschluss an den Empfang des Oberbürgermeisters von Magdeburg Dr. Lutz Trümper vorgenommene Eintragung der kompletten Delegation in das Gästebuch der Landeshauptstadt Magdeburg. Seither hat sich mit den Teilnehmern der Delegation der Kreis der Namensträger „Otto“ erheblich erweitert. Derartige Zeremonien sind in China noch weitgehend unbekannt. Immerhin: Als Hauptstadt des Eises und des Internationalen Eisfestivals kann die Bewerberstadt für die olympischen Winterspiele Harbin zwischenzeitlich schon auf ein eigenes Stadtlogo verweisen. Ein für China durchaus beachtlicher Fortschritt auf dem Gebiet des Städtemarketings. Dr. Trümper verwies auf seine persönlichen Erfahrungen im letzten Jahr, als er an der Spitze einer Magdeburger Delegation die Gelegenheit hatte, nicht allein Sachsen-Anhalt auf der WeltEXPO in Shanghai 2010, sondern auch in der Partnerstadt Harbin bei den „Magdeburger Unternehmertagen“ zu präsentieren.
Politische Herausforderungen
Der Besuch einer hochkarätigen chinesischen Delegation in einer angespannten Großwetterlage ist stets Herausforderung. Fragen des richtigen Umgangs miteinander, der Vertrauensbildung, Rechtssicherheit, Meinungsfreiheit aber auch der Grundlagen des Dialogs zwischen Partnern unterschiedlicher Gesellschaftsformen wurden während der intensiv geführten Gespräche nicht ausgespart, allerdings in der richtigen Tonart übermittelt. Mit Ausnahme der wohl in den Wäldern der Umgebung abhanden gekommenen „Grünen“, haben auch alle Parteien der Stadt die Gelegenheit ergriffen, den Diskussionsprozess mit China im kritischen aber freundschaftlich-konstruktiven Dialog zu begleiten. Angesichts der Bedeutung der strategischen Energiefragen eine wichtige und für die Zukunft die einzig richtige Reaktion. Die infolge der Katastrophe von Fukushima auch für die chinesischen Küstenregionen Chinas bedrohliche Umweltsituation eröffnete die Diskussion über eine energiepolitische Diskussion. Die Anwesenheit von Unternehmern der Branche „Erneuerbare Energien“ bot Gelegenheit, die Beantwortung dieser Fragen dem nächsten „German Business & Technology Forum in Harbin“ im Juni dieses Jahres zu überlassen, an dem auch die Landeshauptstadt Magdeburg selbst wieder mit einer starken Präsentation teilnehmen wird.
Touristische Zusammenarbeit
Von zunehmender Bedeutung für die Zusammenarbeit ist auch die Kooperation auf touristischem Gebiet. Mit der Erweiterung der Flugbewegungen durch die in den nächsten 24 Monaten erwartete Eröffnung des neuen Airports Berlin-Brandenburg International rechnen die Tourismusmanager weltweit mit einer Belebung der deutsch-chinesischen Flugbewegungen, die derzeit durch Hainan Airlines allein gestaltet werden, Chinas Airline mit einem Herz für die Regionen in den neuen Bundesländern. Die große Hoffnung aller Beteiligten ist eine veränderte Politik der deutschen Lufthansa, deren Unternehmenspolitik seit Jahren eher negativ auf die Marktöffnung wirkt. Die chinesischen Gäste jedenfalls nahmen das Hainan Airlines Angebot dankend an und haben sich von der Schnelligkeit der Verbindung Beijing-Berlin-Magdeburg überzeugen können.
Die Kultur als Bindeglied
Dass Sachsen-Anhalt in Sachen Geschichte und Kultur auch die Chinesen in Staunen versetzen kann, wurde den Gästen durch die Erläuterung der Geschichte der Region erläutert. Die bedeutenden Funde wie die Himmelsscheibe von Nebra aber auch die Geschichte des ersten deutschen Kaisers Otto und seiner Kaiserin Edita bestätigten die Entscheidung der sehr kulturverwöhnten Chinesen, mit Magdeburg und Sachsen-Anhalt das „richtige Händchen“ bei der Partnersuche gehabt zu haben. Dieses richtige Händchen hatte auch das „Internationale Büro“ der Stadt Magdeburg, das durch seine langfristige Vorarbeit maßgeblich zum Erfolg der Unternehmergespräche beitragen konnte.
Die Präsentation des Puppentheaters Magdeburg sprach die „weiche Seite“ der chinesischen Delegationsmitglieder an, deren strategischen Interessen an sich eher den klassischen Themen galt: Erweiterung der Handelsbeziehungen, Erhöhung von Direktinvestitionen, Vertiefung der wissenschaftlichen Kooperation und Ausbildungszusammenarbeit. Die Kultur ist jedoch der „Schlüssel zum Herzen eines Menschen“ und wer wie das Puppentheater das Herz anspricht, der begründet die Grundlage für das, was die Grundlage einer guten Zusammenarbeit ist: Verständnis und Vertrauen.
Verborgene Schätze: Fraunhofer-Institut
Prof. Dr. Kai Mertins, Direktor des in Berlin ansässigen IPK-Fraunhofer-Instituts für Produktions- und Konstruktionstechnik und seit vielen Jahren mit Chinas TOP Universität „Harbin Institut of Technology“ partnerschaftlich verbunden, ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, persönlich den Besuchs der Harbiner Delegation im Fraunhoferinstitut in Magdeburg zu begleiten. Die „Denkfabrik“ machte selbst auf die chinesische Delegation Eindruck, deren HIT mit über 45.000 Studenten zu den TOP-Universitäten weltweit gehört.
Internationale Kooperation
Die internationalen Kooperationen und ausländischen Direktinvestitionen aus China nehmen in Sachsen-Anhalt zu. Wesentliche Voraussetzung hierfür ist das gezielte Auslandsmarketing der Stadt Magdeburg und die Pflege der Beziehungen auch und gerade zu schwierigen Partnerländern. Letztere zeichnen sich gerade wie China dadurch aus, dass sie in Bezug auf die Anwerbung ausländischer Direktinvesitionen unmittelbare und nicht selten erfolgreichere Wettbewerber sind. Dennoch erweist sich, wie das Beispiel Sachsen-Anhalt unterstreicht, dass auch eine „kleinere Region“ ihre Trumpfkarten ausspielen und in den Ring des „internationalen Standortwettbewerbs“ werfen kann. Tradition und Know-How im Maschinenbau, im Anlagenbau, bei den erneuerbaren Energien, der Energieeffiziens und schlussendlich in den Zukunftsdisziplinen wie Elektromobilität, Transportation, Medizintechnik, und High Tech-Development unterliegen vor allem in den Wachstumsregionen einer großen Nachfrage. Wer hier liefern kann, gilt weithin als gute und im Falle Nordchinas „erste Adresse“.
Folgende insgesamt 9 Absichtserklärungen kennzeichnen den Stand der beiderseitigen Beziehungen:
1. Rahmenvereinbarung zwischen den Städten Harbin und Magdeburg of Germany über die touristische Kooperation.
2. MEMORANDUM OF UNDERSTANDING zwischen der Industrie- und Gewerbepark Mittelelbe GmbH(Industrial and Business Park Mittelelbe) und der Harbin Economic & Technological Development Zone (HETD.
3. Absichtserklärung zwischen der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbH (Wobau) und der Harbin Dong`an Industry Development Co., Ltd. betreffend die „Energieeffiziente Wohnbausanierung in Harbin/ China“.
4. Letter of Intent über die zukünftige Zusammenarbeit zwischen der EBG (Europäisches Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft g GmbH) und jeweils dem Harbin Vocational & Technical College, dem - Harbin Vocational College of Science and Technology und der Harbin Xiangdu Labour Dispatching Company.
5. Letter of Intent über die zukünftige Zusammenarbeit zwischen der Fa. Megalearn und jeweils dem Harbin Vocational & Technical College, dem Harbin Vocational College of Science and Technology und dem Harbin Xiangdu Labour Dispatching Company.
Die Gespräche zwischen dem Universitätsklinikum und den Median Klinik NRZ Magdeburg und den Vertretern des Gesundheitswesens von Harbin schließlich verliefen so gut, dass noch während des Besuches ein Grundsatzpapier über die zukünftige Zusammenarbeit formuliert wurde.
Bereits am ersten Tag der Harbiner Unternehmertage unterzeichnete der Marktführer auf dem Gebiet der Müllentsorung und Versorgung Remondis im Beisein beider stellvertretender Bürgermeister eine Absichtserklärung über die Errichtung eines weiteren Gemeinschaftsunternehmen von Remondis in Nordchina. Remondis behauptet sich auf dem Markt allein durch das erfolgreiche China-Engagement als unumstrittener Marktführer getreu der Devise: Wer im Ausland kein Standbein hat, braucht gute und nicht allzu teure Beziehungen in der Heimat. Nur Veolia wird auf Dauer wohl in der Lage sein, im weltweiten Rennen um die guten Standorte mithalten zu können.
Die nächsten Schritte „Unternehmerreise nach Harbin im Juni“ und „Konferenz der Partnerstädte
Das auf nachhaltiger Gegenseitigkeit beruhende Konzept der Begründung und Pflege von Städtepartnerschaften von Magdeburg wird die Stadt im Juni nach China führen, um dort nicht allein an den Gründungsfeierlichkeiten „120 Jahre Qingdao“ teilzunehmen, sondern die Region erneut auf dem „German Business & Technology Forum Harbin“ (16.6.2011) sowie auf der „Harbin International Fair on Investment & Economic Cooperation“ zu vertreten. „Qingdao“, so der stellvertretende Bürgermeister anlässlich seiner Ansprache in Magdeburg, sei ja die „erste deutsche Investition in China“ und zugleich die Provinz, aus der die meisten Bürger der nordchinesischen Provinz Heilongjiang stammen, in deren Hauptstadt Harbin sich vor dem Ende des Krieges die Flüchtlinge dieser Welt trafen. Neben Chinesen aus Shandong und Russen, beherbergte der Verkehrsknotenpunkt „Harbin“ auch viele deutsche und europäische Juden, die auf der Flucht von den Nazis in Nordchina ihren Schutzort fanden.
In der 2. Jahreshälfte lädt Magdeburg dann wieder alle Gäste und Partner nach Deutschland ein, wenn die erste Städtepartnerschaftskonferenz der Landeshauptstadt stattfindet. Harbin wirkt an der Vorbereitung dieses Netzwerkstreffens aktiv mit. Für das im Verhältnis zu seinen Partnern kleine Magdeburg bildet der Ansatz der vernetzten Zusammenarbeit die Gelegenheit, die eigenen Potenziale geschickt über die Stärke des Netzwerks zu entwickeln. Geben und Nehmen müssen und sollen in einem Gleichgewicht bleiben. Der Besuch der Delegation aus Harbin war ein erfolgreicher Schritt in dieser Richtung, wissen doch auch die Chinesen, dass die Zukunft nicht von den großen und mächtigen Playern, sondern allein von den flexiblen und innovativen bestimmt wird.
Magdeburg als Service-Provider
Harbin, von Russen einst als strategischer Brückenkopf in der späteren Mandschurei gegründeter Eisenbahnbrückenkopf, ist nicht allein Bindeglied zwischen China und Europa entlang der Transsibirischen Eisenbahnverbindung, sondern Endstation des inzwischen fast ausgebauten Schnellbahnnetzes in China. Dank deutscher Technik und nicht zuletzt aufgrund der alten Fast Track Initiative von Siemens Transportation entwickelt sich China zu dem Land moderner Eisenbahntechnologie schlechthin. Harbins und Qiqihars Potenziale in diesem Bereich tragen maßgeblich hierzu bei. Die tatsächlichen Potenziale des Nordens dagegen sind in der deutschen Öffentlichkeit noch immer wenig bekannt. Grund genug für Sachsen-Anhalt, eine für Europa und Deutschland wichtige Türöffnerfunktion in einer Region zu übernehmen, die in der westlichen Welt zu Unrecht lange Zeit als zurückgeblieben eingestuft wurde. In Nordostasien liegen die „stillen Reserven“ sowohl Chinas als auch Russlands und Harbin ist das unmittelbare Tor in die Region. Grund genug, sich diesen für die Entwicklung der Zukunftsmärkte sicheren Standort zu sichern und zu einer Plattform für die Marktschließung Chinas schlechthin zu machen. Das sehen zunehmend auch die Chinesen selbst, die sich aus strategischen Interessen an der Region in Harbin positionieren, um an den wirtschaftlichen Entwicklungen in Nordostasien teilzuhaben.
Internationales Büro - Landeshauptstadt Magdeburg
Dr. Gundula Henkel, Dezernat für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit Internationales Büro für Wirtschaftsförderung
Julius-Bremer-Straße 10
39090 Magdeburg
Tel.:+49 391 540 2610
Fax:+49 391 540 2730
www.magdeburg.de.
Auskünfte und weitere Informationen zur Unternehmerreise nach China 2011
Deutsche Unternehmen und Institutionen mit Interessen in Nordchina haben im Rahmen der im Juni stattfindenden Unternehmerreise „Business Mission to Beijing, Qingdao und Harbin“ die Gelegenheit, an den Unternehmensgesprächen sowie – bei Aufnahme in das Konferenzprogramm – am „German Business & Technology Forum Harbin“ teilzunehmen, um sich in China der Öffentlichkeit zu präsentieren. Allein in Harbin werden wie in den vergangenen Jahren nicht nur Umsätze im 100 Mrd. US$-Bereich, sondern viele Präsentationen von Regionen aus ganz Asien und dem APEC-Raum erwartet, so dass sowohl Aussteller als auch präsentierende Unternehmen nicht nur den nationalen chinesischen Markt ansprechen können. Anfragen und Teilnahmebekundungen sind zu richten an:
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