Helios-Verlag K.-H.Pröhuber,Dokumentation: Wachregiment "Feliks Dzierzynski", Interview mit dem Co-Autor Dr. Peter Joachim Lapp
von
Helios Verlags- und Buchvertriebsgesellschaft
17.04.2008 - 13:36 Uhr - Politik & Gesellschaft
(prcenter.de) (1) Herr Lapp, wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?
Alles was mit der Stasi zu tun hatte, ist irgendwie interessant. In West und Ost. Nach wie vor. Und das die DDR-Staatssicherheit über einen militärisch-operativen Arm verfügte – eben das Wachregiment „Feliks Dzierzynski“, über das es kaum etwas Substanzielles gab – weckte meine Neugierde. Bislang war dieses politische Elite-Regiment des MfS in Forschung und Literatur so etwas wie ein weißer Fleck.
(2) Wie gelangten Sie an Informationen über das Wachregiment?
Einmal durch einen „Forschungsantrag“ bei der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU), deren Behörde Hunderte von Doku-menten und Fotos zur Verfügung stellte, durch Unterstützung des Bundesarchivs, vor allem aber durch die Mitarbeit von Hagen Koch, der 25 Jahre im Wachregiment diente und erst 1985 ausschied. Als Hauptmann und Kulturoffizier. Ohne ihn wäre das Buch so nicht ent-standen. Er konnte auch Interna beisteuern.
(3) Welche Hauptaufgaben hatte das Wachregiment und wie setzte es sich zusammen?
Die rund 11.000 Angehörigen des Regiments hatten hauptsächlich Sicherungsaufgaben wahrzunehmen und beispielsweise die Dienst- und Wohnobjekte der SED-Führung zu bewachen. So unter anderem die Politbürosiedlung Wandlitz bei Berlin und das SED-Zentral-komitee im Zentrum Ostberlins. Im Falle innerer Unruhen und im Konfliktfall sollten die Soldaten zum Schutz der führenden Repräsentanten von Partei und Staat bereit stehen, not-falls auch eine „Konterrevolution“ niederschlagen helfen. Das Wachregiment setzte sich zu 80 % aus Zeitsoldaten (Dienstdauer: 3 Jahre) zusammen, die von MfS-Offizieren geworben und an die erhöhte politische Zuverlässigkeitsanforderungen gestellt wurden. Eine positive Einstellung zur DDR war Grundvoraussetzung, belegt durch eine Mitgliedschaft in der FDJ oder – besser noch – in der SED. Westverwandtschaft und Westkontakte waren Hindernisse, ins Regiment aufgenommen zu werden. Erwünscht waren schulische und gesundheitliche Mindeststandards, die über dem Durchschnitt der normalen Wehrpflichtigen liegen sollten.
(4) Was hat Sie beim Schreiben des Buches am meisten überrascht?
Die Dichte der so genannten „Besonderen Vorkommnisse“. Was Fahnenfluchten, politische Abweichungen, neonazistische und kriminelle Vorfälle einschloss. Und das katastrophale Binnenklima in dieser politischen Elitetruppe des MfS. Bei den meisten der jungen Soldaten verschwand im Laufe der sechs Diensthalbjahre der Glaube an den Sozialismus „Made in GDR“, weil innerhalb des Regiments ein menschenunwürdiger Umgang an der Tagesordnung war, tiefe Gräben zwischen Vorgesetzten und Unterstellten existierten, die Truppe durch vie-lerlei Wach- und Sicherungseinsätze permanent überfordert wurde und ein weit verzweigtes Spitzelsystem wirkliche Kameradschaft kaum aufkommen ließ. Mit dauerhaften Folgen für die Moral der Truppe. Gegen Ende der DDR verschwand bei der Mehrheit der Soldaten des Wachregiments das Vertrauen in die „Weisheit der Partei“ mit dem Ergebnis, dass das Regi-ment bald als politisch unzuverlässig galt und im Dezember 1989 sang- und klanglos aufge-löst wurde.
Hagen Koch / Peter Joachim Lapp
Die Garde des Erich Mielke - Der militärisch-operative Arm des MfS / Das Berliner Wachregiment „Feliks Dzierzynski“
164 Seiten, zahlreiche Fotos und Abbildungen, Format 17 x 23,5, ISBN 978-3-938208 72-4
Angaben zum Autor
Brückstr. 48
52080 Aachen
Der Helios-Verlag ist ein in Aachen ansässiger Fachbuchverlag und wurde 1913 gegründet. Übernommen wurde der Helios-Verlag Anfang der neunziger Jahre von Karl-Heinz Pröhuber, dem heutigen Geschäftsführer. Pröhuber, der politische Wissenschaften und Soziologie studierte, stammt aus einem deutsch-belgischen Elternhaus mit „linkem“ Hintergrund. Schwerpunkt der verlegerischen Arbeit ist die militärische Zeitgeschichte, Regionalliteratur, Literatur zum jüdischen Widerstand. Darüber hinaus gibt er auch Belletristik heraus. Derzeit werden die Werke von über 100 Autoren verlegt. Sein Vater, Karl Pröhuber, ein Mitbegründer der KPD (1919), befreundet mit K. Radek, aktive Teilnahme an der Münchener Räterepublik, war im 2. Weltkrieg Angehöriger eines Strafbataillons.
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