Iran Business Forum Hamburg: Embargo und Sanktionen füllen die Kassen im Iran - Vorteile für den Mittelstand
von
German Global Trade Forum Berlin
01.12.2010 - 10:05 Uhr - Wirtschaft, Handel & Industrie
(prcenter.de) Am 22.11.2010 fand im Beisein einer Wirtschaftsdelegation aus dem Iran und des amtierenden Botschafters des Iran, S.E. Sheikh Attar, in Hamburg eine Wirtschaftsveranstaltung des Iran Business Forum statt, die Gelegenheit bot, aktuelle Projekt-, Investitions- und Kooperationsansätze im Spannungsverhältnis von "Embargo und Zukunft" kennen zu lernen. Besondere Bedeutung und international positive Aufmerksamkeit erlangte die Veranstaltung durch die Teilnahme des Gouverneurs der nordiranischen Provinz Ost-Aserbeidjans, Dr. Alirezha Beyghi, dessen über 31 Unternehmen umfassende Unternehmerdelegation die Bedeutung des Nordens des Iran auf dem auf 400 Teilnehmer beschränkten Wirtschaftstag unterstrich. Zeitgleich mit der Delegation hielten sich sowohl der stellvertretende iranische Außenminister als auch der stellvertretende Innenminister in Deutschland zu Gesprächen auf, was auf umfangreiche Verhandlungen "hinter den Kulissen von Berlin" schließen liess. Tabriz, Hauptstadt der Provinz, steht derzeit im doppelten Fokus der deutschen Öffentlichkeit, nachdem 2 Journalisten des Springer-Konzerns dort wegen des Verstoßes gegen die nationalen Visabestimmungen und, folgt man wiederum den Entsendern, "des Verdachts auf Spionage" inhaftiert wurden. Einer ausdrücklichen Einladung der Veranstalter zum Gespräch auch über dieses Thema folgten bis auf wenige Ausnahmen übrigens weder "Politiker" noch "Medienvertreter", was angesichts des medialen Klärungsbedürfnisses kaum nachvollziehbar ist. Ausgespart wurden weder das die deutsche Öffentlichkeit interessierende Thema noch die Frage, welche weiteren Entwicklungen in Bezug auf die Region infrage stehen.
Mit großem Zuspruch wurden die Beiträge iranischer Unternehmerinnen aufgenommen, die sich ausdrücklich im Bereich der Frauenförderung mit dem Ziel beschäftigen, junge Unternehmerinnen zu einem internationalen Engagement zu ermutigen. Dennoch: Die Ausgangsbedingungen sind angespannt und die Frage steht zur Entscheidung, ob die Aufgabenstellung „Entspannung“ oder aber „Eskalation“ ist. Die Auffassung der anwesenden Wirtschaftsvertreter war eindeutig: Es schlägt in Krisenzeiten die Stunde der Unternehmen und privaten Initiativen. Nur sie tragen tatsächlich höchstpersönlich Verantwortung, das wirtschaftliche Risiko und nicht selten auch die Lasten der Politik und nur sie gewährleisten im ureigensten Interesse eine moderate Entwicklung der Zukunft. Demzufolge müssen auch die Unternehmen in dieser sicher kurzen Phase in Verantwortung handeln. Unter den Teilnehmern des Wirtschaftstages befanden sich auffällig viele junge iranische Unternehmer und sogar einige Israelis aus London, die zum Ausdruck brachten, dass die junge Unternehmer sowohl ein Interesse am Dialog als auch an einer friedlichen Entwicklung in der Region haben.
Die Verschärfung der Embargo-Regelungen durch die EU gegenüber dem Iran zeigt Wirkung. Allerdings nach wie vor nicht wirklich negativ auf den Iran. Der Rückzug europäischer Großkonzerne, die sich im Gegensatz zur über Dubai agierenden Konkurrenz aus den USA im direkten Iran-Geschäft zurückhalten und allenfalls über Tochterfirmen in Russland und Indien mittelbar agieren, fördert das Engagement asiatischer, südamerikanischer Unternehmen und solcher des europäischen Mittelstands und der Länder, die bisher keine wesentliche Position im Iran aufbauen konnten wie Italien, Norwegen oder Finnland. Vor allem der deutsche Mittelstand profitiert. Allein in der ersten Jahreshälfte 2010 wuchsen die Exporte in Richtung Iran um beachtliche 14%. In Euro-Zahlen ausgedrückt geht es um Milliarden. Noch sehr viel mehr Milliarden wandern aber in die Kassen der Wettbewerber, die in Asien ansässig sind und für das weltwirtschaftliche Gleichgewicht die wesentliche Verantwortung übernommen haben. Die Veranstalter gehen davon aus, dass die Veranstaltung eine hochkarätige Plattform zu aktuellen Fragen des Iran-Geschäfts wird.
Die Veranstaltung verdeutlichte einerseits die Verschiebung der wirtschaftlichen Gewichte in Richtung Asien, andererseits die durch das Embargo spürbare Belastung der traditionell guten und mit 100 Jahren gewachsenen deutsch-iranischen Beziehungen, die zunehmend selbst für lange in Europa lebende Iraner als persönliche Belastung empfunden wird. China, die Türkei, Brasilien und Russland sind derzeit neben Indien die Schwergewichte, die die Wirtschaftsbeziehungen zum Iran erkennbar prägen. So entsteht auf der Achse Indien, Iran, Türkei und Russland derzeit scheinbar eine "strategische Parallelstruktur" entlang der Grenze zu Europa, die sowohl Rohstoffe, Verkehrsinfrastruktur als auch Handelswege umfasst. Spürbar ist auch ein starkes Auftreten skandinavischer Unternehmen in der Region, deren strategische Bedeutung an sich vor allem für Westeuropa erheblich war.
Die Bereitschaft, die traditionellen Bindungen zu erhalten, unterstrichen alle Redner der hochkarätig besetzten Veranstaltung, zu der u.a. auch Vorstände der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer, Vertreter von Industrieverbänden und Beauftragte für den Iran und das internationale Geschäft des Bundesverbands der Mittelständischen Wirtschaft sprachen. Auffällig und „neu“ war überdies, dass iranische Regionen sowohl das Thema „Investment Promotion“ als auch „internationale Kooperation“ aktiv aufgriffen und für ihre Regionen warben. Lange Zeit hat sich der Iran insoweit eher verschlossen und eine eher passive Wirtschaftspolitik im Ausland betrieben.
Die Veranstaltung endete mit einer Einladung des Gouverneurs Alireza Beyghi an die Teilnehmer, 2011 den Norden des Iran zu besuchen, um die Entwicklung der Region genauer kennen zu lernen und den in Hamburg begonnenen Dialog im Iran fortzusetzen. Würde es nach dem Gouverneur gehen, würde 2011 auch eine direkte Flugverbindung zwischen Hamburg und Tabriz eröffnet. Das Potenzial ist vorhanden. Die Planungen für eine "Business Misision to Iran 2011" laufen. An einer Teilnahme an der Delegationsreise interessierte Unternehmen oder Entscheidungsträger, die im Mair oder Juni aller Voraussicht nach Tehran und Tabriz führen wird, können sich gerne via email informieren: Business Mission to Asia 2011, Anfage an: Tehran@Germanglobaltrade.de.
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