Keine Schokolade nach Mitternacht
von
Gabriela Kaiser - dieTRENDagentur
30.10.2009 - 12:35 Uhr - Wirtschaft, Handel & Industrie
(prcenter.de) Was würden wir nur ohne die Erfindung des Post-it tun? Wir würden uns unseren nächtlichen Gelüsten nach Schokolade einfach hemmungslos hingeben und nichts würde uns stoppen. Aber zum Glück wurde ja das Post-it erfunden.
Wie entsteht eigentlich so eine Innovation wie das Post-it?
Voraussetzung für Innovationen sind Kreativität, Mut aber auch der Zufall. So sind die Post-it Zettelchen entstanden, weil der Kleber nicht richtig funktionierte. 3M konnte seine Erfolgsgeschichte mit den Post-it Notes nur schreiben, weil das Unternehmen offen war für Neues und den Mut hatte neue Wege zu beschreiten. Wir haben dadurch einen wichtigen Helfer für unseren Alltag dazugewonnen, wobei es bestimmt den einen oder anderen Schokoholic gibt, der diese Erfindung gerne ungeschehen machen würde.
Innovationen sichern Arbeitsplätze
Jedes Unternehmen braucht heutzutage Innovationen, um im starken Wettbewerb bestehen zu können. Besser, schneller und billiger kann für unsere Unternehmen mit Standort Europa nicht der richtige Weg sein. Dies zeigte sich beim 9. WOIS Innovations Symposium, das Mitte Oktober in Coburg statt fand.
Um Innovationen generieren zu können, sollten Unternehmen zuerst eine Positionsbestimmung machen – wo stehe ich überhaupt im Bereich Organisation, Produkte, Märkte, Ressourcen und Wertschöpfung? Zudem gilt es eine übergeordnete Unternehmens-Vision fest zu legen – wo will ich überhaupt hin? Es gilt also ein Ziel zu definieren, das im Unternehmen alle zusammen erreichen wollen, denn nur wenn ich ein Ziel habe, kann ich dieses auch erreichen. Wenn das Unternehmen seine Position bestimmt und seine Vision fest gelegt hat, kann es über Tools wie WOIS - Widerspruchsorientierte Innovationsstrategie - Innovationen systematisch provozieren.
Widersprüche sind notwendig
Innovationen werden laut Wois erzeugt, indem man versucht widersprüchlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Widersprüchliche Ansprüche erfüllen zu wollen, ist nicht unmöglich sondern sehr sinnvoll, um sich von alten Mustern und Grenzen zu befreien. Es ist wichtig, die Grenzen, die vor allem im Kopf existieren, zu überdenken, und diese bewusst zu überschreiten. „What your mind can believe, you can achieve“ – Was Du Dir vorstellen kannst im Kopf, das kannst Du auch erreichen. Dabei ist es auch sinnvoll hohe Forderungen zu stellen. Verdoppeln der Leistung oder halbieren der Größe führen zu innovativeren Ergebnissen, da sie erst einmal unmöglich erscheinen, als eine Forderung nach 5% stärker oder kleiner. Dies bedeutet aber nicht, dass ein Kompromiss erreicht werden soll. Beide Ansprüche sollen voll erfüllt werden, so dass neue Sichtweisen eingenommen und bestehende Grenzen überschritten werden, die dann zu neuen überraschenden Lösungen führen. Eine möglichst herausragende Lösung sollte das Ziel sein. So hatte Vorwerk das Rätsel zu lösen, eine neue Staubsauger-Düse zu entwickeln, die zugleich breit und schmal, hart und weich sowie dick und dünn sein sollte. Vorwerk kam dabei auf die innovative Lösung, eine Düse zu entwickeln, aus der sich ein weicher breiter Saugrüssel ausfahren lässt.
Kennen Sie die wichtigen Fragen?
Viele Unternehmen versuchen Antworten zu geben und kennen die Frage noch gar nicht. Das wichtigste ist es aber DIE richtige Frage zu stellen. Die Firma Ideo, die Nr. 1 der Innovationsberater, nennt es die „Frage Null – die menschlichste Frage, die zugrunde liegt“. Welche Probleme haben Ihre Kunden wirklich? Kennen Sie das Verhalten ihrer Kunden? Was wünschen sich Ihre Kunden? Die größte Herausforderung ist es heraus zu finden, was ihre Kunden in Zukunft wollen, aber selber noch nicht ausdrücken können. Der Kunde und seine Wünsche müssen im Mittelpunkt stehen und nicht die bestehenden Möglichkeiten der Firma. Nach den neuesten Erkenntnissen des Neuromarketings wissen wir, dass Gefühle der zentrale Antrieb für jegliches Handeln sind. Alles, was keine Emotionen auslöst, ist für das Gehirn wertlos. Was löst bei uns Gefühle aus? Welche Welten existieren für ein Produkt, eine Dienstleistung und sind im Moment und in Zukunft „in“? Welche Bedürfnisse haben die Konsumenten? Welche Produkte und Dienstleistungen sind in den Augen der Konsumenten begehrenswert? Was bewegt die Menschen wirklich? Hier kommen Trendscouts und Trendforscher ins Spiel, denn sie beschäftigen sich genau mit diesen Fragen. Trendforscher sind keine Hellseher und können auch nicht in die Zukunft sehen, aber durch Analysieren der Gegenwart sehen und spüren sie vorhandene Tendenzen und können von daher Rückschlüsse ziehen, in welche Richtung sich die Zukunft sehr wahrscheinlich hin entwickelt.
Web 2.0
Um die Wünsche von Kunden kennen zu lernen, kann das Analysieren von Online Communities hilfreich sein. Beim Web 2.0 spricht man auch gerne vom „Mitmach-Web“. Hier wird schon lange nicht mehr nur über Globalität gesprochen sondern hier wird sich global virtuell getroffen und ausgetauscht. Wikipedia, Youtube, Facebook, um nur einige zu nennen, sind erst der Anfang einer Informations- und Kommunikations-Revolution. Die Computer-User von heute machen den Markt über das Internet transparent und profitieren von den Erfahrungen anderer User. Sie tauschen sich zu allen möglichen Themen und Produkten in Online Communities aus. Die User schildern ihre Probleme, liefern aber auch erste Lösungsvorschläge. Einige Firmen sind bereits dazu übergegangen, gezielt Meinungen und Wünsche abzufragen, indem Sie z. B. Wettbewerbe im Internet initiieren, oder Produkte, die im Moment nur virtuell existieren, einer ausgesuchten Community vorstellen, die diese bewerten kann. So können Unternehmen vor tatsächlicher Produktion und Markteinführung bereits die Erfolgschancen von Produkten abklopfen.
Wo entstehen Ideen?
Nur 24% der neuen Ideen entstehen in der Firma, 76% entstehen außerhalb - in der Natur, Zuhause, unterwegs und sogar in den Ferien. Es ist also mehr als wahrscheinlich, dass ein Mitarbeiter in seiner Freizeit für sein Unternehmen produktiver ist als am Arbeitsplatz. Auch gilt es also neue Wege zu beschreiten und nicht auf alte Muster zu beharren. Nicht die Anwesenheitszeit im Unternehmen sollte im Vordergrund stehen sondern der Beitrag zum Unternehmenserfolg.
Lassen Sie uns für die Zukunft ein Modell der offenen Grenzen entwickeln. „Das war schon immer so“ oder „das kann doch nicht klappen“, sollte in Ihrem Kopf der Vergangenheit angehören.
„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ sagte schon Antoine de Saint-Exupéry.
Angaben zum Autor
Gabriela Kaiser
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Fon 09251 . 430 98 15
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Gabriela Kaiser absolvierte nach ihrem Abitur eine kaufmännische Aus- und Weiterbildung bei einem großen Handelsunternehmen der Modebranche in Frankfurt und schloss ein Studium der Textiltechnik mit Schwerpunkt Design in Mönchengladbach an. Danach war sie 6 Jahre in leitender Funktion als Designerin tätig.
2002 startete sie ihre Karriere als Trendberaterin und zählt seither bekannte Unternehmen aus Industrie und Handel zu ihren Kunden, wenn es um Trends, Design, Kundenwünsche, Werbung, Produktpräsentation und -inszenierung geht.
Ihre Stärke besteht darin, mit gezielten Analysen aus der Fülle der Informationen, die für ihre Kunden relevanten heraus zu filtern und die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.
Sie ist Impulsgeberin, Querdenkerin und Ideenentwicklerin. Zu ihren Kunden zählen Villeroy&Boch, Johnson&Johnson, Kettler, Parador, Knauber Freizeitmärkte. Sie hält Vorträge auf internationalen Messen, Design- und Trendveranstaltungen.
Begleitend zu ihrer Trendanalyse veröffentlicht sie regelmäßig Artikel in verschiedenen Fachzeitschriften zum Thema Trends, Design und Lifestyle.
Seit 2006 gibt sie eine CD mit Trendinformationen heraus, die vielen Firmen als Grundlage dient für deren Produktentwicklung.
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