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Mazu – Chinesische Göttin der Seefahrt

von RSS-Feed Taipeh Vertretung Presseabteilung
10.02.2009 - 12:42 Uhr - Kunst & Kultur

(prcenter.de) Kolorierte Holzschnitte von Lin Chih-hsin, Taiwan
Begleitend wird eine Ausstellung zu Pilgerstäben des Künstlers Ludwig Denk gezeigt

Sonderausstellung im Staatlichen Museum für Völkerkunde München vom 11. Februar bis 4. Okotber 2009

Taiwans beliebteste Volksgottheit ist Mazu (Ma-tsu), die im 10. Jahrhundert in Fleisch und Blut auf Erden wandelte und seit ewig als Meeresgöttin und Schutzpatronin der Seefahrer verehrt wird. Der Legende nach lebte Mazu auf der Insel Meizhou, die zu der südostchinesischen Provinz Fukien gehört und fiel schon als Kind durch außergewöhnliche Begabung auf. Bereits in jungen Jahren entsagte sie dem Verzehr von Fleisch und entschied sich für ein Leben in Keuschheit. Als sie 16 Jahre alt war, wurden ihre übernatürlichen Fähigkeiten entdeckt. Einmal sah sie im Traum ein Schiff mit ihren Brüdern und dem Vater in einem Taifun untergehen. Sie eilte hinzu und es gelang ihr, die Brüder zu retten, nicht aber den Vater, da sie von der Mutter geweckt wurde. Die Traumgeschichte wurde Wirklichkeit und während die Brüder mit dem Leben davonkamen, ertrank der Vater.

Im Alter von 28 Jahren starb Mazu und soll in den Himmel aufgefahren sein, wo sie in den Rang einer Göttin erhoben wurde. Ihr Ruf verbreitete sich nach ihren Tod stetig, als immer mehr Seeleute ihr Eingreifen in Gefahrensituationen bezeugten. Im Laufe der Zeit nahm ihre Beliebtheit weiter zu, und so wurde sie zu einer barmherzigen Göttin und allgemeinen Nothelferin, die unter anderem auch Reichtum und Kindersegen spendet.

Alljährlich finden vor allem in Südostchina und auf Taiwan im dritten Monat des traditionellen chinesischen Mondkalenders – etwa Anfang Mai nach westlichem Kalender - prachtvolle Tempelfeste und feierliche Prozessionszüge zu Ehren des Geburtstages der Göttin Mazu statt. Diese Gottheit kann mit Fug und Recht ihrer Bedeutung und ihrer Verehrung nach der christlichen Madonna zur Seite gestellt werden.

Der zeitgenössische taiwanesische Künstler Lin Chih-hsin hat zu Ehren dieser Göttin einen einzigartigen, 124 m langen, aus Einzelbildern zusammengesetzten kolorierten Holzschnitt geschaffen, der eine feierliche Prozession der Verehrer dieser Göttin zeigt. Die Arbeit an diesem Kunstwerk nahm zwanzig Jahre in Anspruch. Mit 40 Jahren hatte Lin das Großprojekt angekündigt und war zu einer inselweiten Pilgerfahrt aufgebrochen, um die Einzelheiten relevanter Tempelrituale und Festlichkeiten aufzuzeichnen. Er vertiefte sich auch in Literatur, historische Dokumente und mündliche Überlieferungen über Mazu.

Lin Chih-hsin fertigte ein farbenfrohes Panorama der an der Prozession teilnehmenden Gruppen und ihrer Darbietungen. Sein Werk ist ein Kaleidoskop der blühenden, über die Jahrhunderte weiterentwickelten Folklore und ein zeitloses Zeugnis eines reichen kulturellen Erbes. Lins episches Werk wurde bereits mit großem Erfolg in einer Reihe von Städten Asiens und Europas präsentiert. Der von Achtung und Ehrerbietung gegenüber der Gottheit wie der kulturellen und religiösen Tradition geprägte Holzschnitt ermöglicht dem Besucher der Ausstellung tiefe Einblicke in die chinesische Kultur und das Lebensgefühl des zeitgenössischen Taiwans.

Lin Chih-hsin wurde 1936 im Südwesten Taiwans, damals japanische Kolonie, in eine Bauern-familie geboren. Nach seiner Ausbildung zum Kunsterzieher und dem Studium der Malerei schuf er in der Technik des kolorierten Holzschnittes zahlreiche Werke, in denen er den traditionellen Arbeitsalltag der Bauern und Fischer und ihre religiöse Festkultur schildert und für die Nachwelt bewahrt. Höhepunkt dieser Schaffensperiode ist die 1996 abgeschlossene Holzschnittfolge zu Ehren der taiwanesischen Nationalgöttin Mazu.

In den letzten 20 Jahren hat sich Lin Chih-hsin der Metallplastik und vor allem der Ölmalerei im westlichen Stil zugewandt. Seit einigen Jahren arbeitet er an einer monumentalen Bilderfolge in Öl, die ein Panorama der vielfältigen Landschaften Taiwans entwirft. Für sein Werk, das weltweit ausgestellt wurde, erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Preise.

Dauer der Sonderausstellung: 11. Februar bis 4. Oktober 2009
Eintritt: 5 €, ermäßigt 4 €
Staatliches Museum für Völkerkunde München
Kunst und Kultur Afrika – Asien – Amerika – Ozeanien
Maximilianstr. 42 – 80538 München

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Hirmer Verlag München)

Angaben zum Autor ( ):
Prof. Dr. Rong Luh Ding
Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland
Büro München - Presseabteilung
Sonnenstr. 25/IV
80331 München

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