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Pressemitteilung: Wieder Schulhelferdrama an Berliner Schulen

von RSS-Feed Elternzentrum Berlin e.V.
20.07.2009 - 23:15 Uhr - Politik & Gesellschaft

(prcenter.de) Diese Woche wurden die Verhandlungen über die Zumessung von Schulhelferstunden an den Berliner Förderzentren entsprechend der neuen Verfahrensverordnung mit den Koordinatoren der Schulaufsicht in den Bezirken abgeschlossen. Basierend auf den Bedarfszahlen des Haushaltsjahres 2008 hatte die Finanzverwaltung ein Budget von 8 Mio. € zur Verfügung gestellt. Unklar ist, warum man nicht mit den tatsächlichen Bedarfszahlen des laufenden Schuljahres kalkuliert hat. Im laufenden Schuljahr wurden nämlich 9,5 Mio. € benötigt, so fehlen schon jetzt mind. 1,5 Mio. € um den bestehenden Bedarf zu decken.

Ein Problem für die Förderzentren ist der steigende Bedarf bei der Integration in Regelschulen: da die Integration laut Schulgesetz Vorrang hat, werden den Förderzentren Schulhelferstunden entzogen und an die Regelschulen gegeben. Die Integration geht auf diese Weise zu Lasten der am schwersten beeinträchtigten Kinder. Wer Integration will, darf sich das dafür nötige Geld nicht ausgerechnet von den schwerstbetroffenen Kindern holen, die auch in Förderzentren Schulhelfer brauchen, um überhaupt ihr Recht auf Bildung zu verwirklichen. Wenn der Senat nicht möchte, dass wir plötzlich alle schwerstbeeinträchtigten Kinder zur Integration an Regelschulen anmelden, (einmal abgesehen davon, welche zusätzliche Last wir unseren betroffenen Kindern damit aufbürden würden), dann muss er die Versorgung in den Förderzentren gewährleisten.

Auch die Schulhelfer an den Förderzentren sind integrativ tätig. Bestimmten Kindern wird es erst durch den Schulhelfer ermöglicht, überhaupt eine Schule zu besuchen, Teil einer Gemeinschaft zu sein und das Recht auf Bildung nicht mittels Hausunterricht erfüllt zu bekommen.

Das Budget von 8 Mio. € ist gedeckelt, man orientiert sich also nicht am tatsächlichen Bedarf. Die Verteilung der Stunden durch die Koordinatoren der Bezirke an die Schulen wurde pauschalisiert, es sind kaum Anträge gesichtet worden, die Stunden sind also nicht dem Bedarf entsprechend verteilt worden. Die Aufteilung des Budgets erfolgte nach Zahl der Integrations-Schüler und Zahl der Förderzentren in den Bezirken, der Hochrechnungsfaktor für Integrations-Schüler liegt bei 4, der Faktor für Förderzentren bei 1, d.h. Bezirke mit mehreren Förderzentren sind am stärksten von den Kürzungen betroffen. Die Gesamtschülerzahlen in den Bezirken wären die realistische Grundlage zur Verteilung des Budgets gewesen, bzw. die tatsächliche Anzahl der gestellten Anträge, die alle Zugangsvoraussetzungen erfüllen.

Ein Beispiel: in Pankow bekommen die Panke-Schule und die Helene-Haeusler-Schule nur noch 50 Stunden/ Woche für die gesamte Schule, die Buggenhagen-Schule 60 Stunden. Im laufenden Schuljahr gibt es 100 Stunden in der Helene-Haeusler-Schule, die Stunden werden also um die Hälfte reduziert. An der Panke-Schule waren für das neue Schuljahr 156 Stunden – rechtmäßig mit allen Zugangsvoraussetzungen – beantragt, nur 50 wurden zugemessen. Wie sollen die Schulen mit dem Förderschwerpunkt “geistige Entwicklung” die Kinder mit diesen viel zu geringen Zumessungen beschulen? Schon vorher haben sie am Limit gearbeitet.

Trotz mehrfacher Zusage von Planungssicherheit für ein volles Schuljahr werden zwar die Stundenbewilligungen - womöglich für ein Schuljahr - ausgestellt, aber die Gelder stehen nur pro Kalenderjahr zur Verfügung, so dass die neuen Verträge der Schulhelfer wieder am 31.12.2009 enden werden. Somit gibt es weiterhin keine Planungssicherheit, nicht für Schulen, nicht für die Schulhelfer, nicht für die Eltern und somit auch nicht für eine planbare Perspektive unserer betroffenen Kinder und Jugendlichen.

Aufgrund der desaströsen Kürzungen müssen die freien Träger vielen Schulhelfern mit dem Auslaufen ihrer Verträge zum 31.07.2009 kündigen. Wie (und ob) die schwerstbeeinträchtigten Kinder und Jugendlichen nach den Sommerferien beschult werden, ist völlig unklar.

Geradezu stündlich treffen bei uns neue Hiobsbotschaften ein, das Ausmaß der Katastrophe ist anscheinend größer denn je zuvor. Wir sammeln auf Twitter alles, was hereinkommt:

https://twitter.com/Schulhelfer

Plattform zum Elternprotest:
http://protest2.elternzentrum-berlin.de/

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie im Sinne unserer Kinder handeln können und dabei helfen, die Katastrophe zu Beginn des neuen Schuljahres zu verhindern.

Geben sie uns bitte Bescheid, ob und wie sie diesem ungeheuerlichen Sparwahn im Bereich der Schulbildung für Kinder mit schweren Behinderungen entgegentreten.

Mit herzlichem Dank und freundlichen Grüßen,

Stephanie Loos
i.A. Elternzentrum Berlin, e.V.

[Wir sind ganz normal ANDERS]

Angaben zum Autor
Pressekontakt:
Elternzentrum Berlin e.V.
Ginsterring 36, 16321 Schönow
Fon: 030-21 23 74 29
Fax: 030-21 23 74 30
eMail: info(at)elternzentrum-berlin.de
website: http://protest2.elternzentrum-berlin.de
website: http://www.elternzentrum-berlin.de

Wir sind eine Berliner Gruppe von Eltern autistischer Kinder und treffen uns einmal monatlich zum Erfahrungsaustausch. Wir besprechen alle für unsere Kinder relevanten Themen: Therapien, Beschulung, medizinische Betreuung, Einzelfallhilfe etc. Im Oktober 2008 entstand aus dieser Gruppe heraus auch das Elternzentrum Berlin e.V.

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