Trabrennbahn Mariendorf: Wewering adelt Byron
von
Berliner Trabrenn-Verein
17.01.2011 - 10:46 Uhr - Sport & Vereine
(prcenter.de) Der Mariendorfer Champion triumphiert mit dem Hengst in bärenstarken 1:14,7 – Beim Fünfzigsten eine glatte Hundert: Jubiläumssieg für Michael Hamann mit dem 100:10-Außenseiter Hooligan Face
Dass der Hengst Byron an einem guten Tag keinen Gegner zu fürchten braucht, ist hinlänglich bekannt. Ähnlich wie sein Namensgeber, der britische Schriftsteller Lord Byron, ist der achtjährige Traber aber für sein wechselhaftes Temperament berüchtigt. Mal hü, mal hott – mal Glanzleistungen und mal Galopp: Das war oft genug die Devise. Am Montag schlug das Pendel allerdings in bisher nie erreichtem Maße nach oben aus: Bei seinem ersten Start in der Hand von Heinz Wewering lief Byron zweifellos das beste Rennen seiner Karriere.
Denn was der Mariendorfer Champion aus dem Diamond-Way-Sohn herauskitzelte, war geradezu sensationell. Bei gewiss nicht idealen Bedingungen und leicht überfrorener Piste erzielte der für die Farben von Katharina Merz laufende Byron eine Kilometerzeit von 1:14,7 min. und blieb damit fast zwei volle Sekunden unter dem Schnitt aller anderen Tagessieger. Wewerings taktische Finesse blitzte schon auf den ersten Metern auf: Während die Außenseiter Vanessa Boshoeve (Thorsten Tietz) und Raena (Oliver Müller) an die Spitze stürmten, dirigierte Wewering Byron sofort an die vierte Stelle außen und nagelte den 23:10-Favoriten Belgino (Heiner Christiansen) geschickt an der Innenkante fest. Mitte der Gegenseite ergriff Wewering dann selber die Initiative und beorderte den am Toto bei 36:10 rangierenden Hengst in Front.
Bis zu diesem Zeitpunkt lag die Pace noch im 18-er Bereich – doch dann sprintete Veto Hollande (Daniel Wagner) mit mächtigen Schritten heran und legte sich an Byrons Flanke. In den Schlussbogen hinein schraubten die beiden Duellanten das Tempo auf 11,5 und Veto Hollande schien für einen Moment sogar die besseren Karten in der Hand zu halten. Doch schon im nächsten Atemzug geriet der Angreifer schwer von den Beinen und wurde disqualifiziert. Dafür sprang Richelieu (Kay Werner) vehement in die Bresche. Byron musste auf den letzten 400 Metern bei einer Zwischenzeit von 13,3 wirklich alles geben, um auch diese Attacke abzuwehren. Auf seine nächsten Auftritte in der Hand des 19-maligen Deutschen Champions darf man nun wirklich gespannt sein.
Wewering gelang noch ein zweiter Tageserfolg: Diablo Way siegte für die Farben von Tim und Angela Hahn. Der Bruder von solch guten Pferden wie Amidala und Belle Arnie war lange das Sorgenkind im Rennstall der renommierten Berliner Besitzerfamilie. Doch beim elften Versuch platzte nun endlich der Knoten. Diablo Way löste sich schon in der Startphase deutlich von seinen Gegnern und führte zeitweilig mit Weile-Abstand. Eine halbe Runde vor dem Ziel, als sich Chip X (Hans Hellmeier) auf die Verfolgung machte, wurde sein Vorsprung zwar kleiner. Doch in Gefahr geriet der 1:17,0/1.900m trabende Wallach nie. Heinz Wewering: „Diablo Way war heute sehr gehfreudig. Ich ließ ihm bewusst seinen Willen.“
Nach vorne gehen und das Tempo runterspulen – diese Devise war auch für Semitou der Weg zum Erfolg. Thorsten Tietz ergiff mit dem Vierjährigen, der mit jedem Tag besser zu werden scheint, vom Fleck weg die Initiative. Der Dunkelbraune siegte in 1:16,6/1.900m mit Weilevorsprung vor der 312:10-Außenseiterin Ever Easy (Kay Werner), die die Viererwettenquote mit der weiteren Reihenfolge Fairy Tale (Heinz Wewering) und Speedy Eleven (Josef Sparber) auf stolze 48.634:10 trieb. Wenn Semitou diesen Trend in den kommenden Wochen erhärtet, könnte der Sohn der wenig geprüften Grebida schon bald vor großen Taten stehen. Thorsten Tietz: „Ich halte sehr viel von dem Wallach. Er ist fest für das Fritz-Brandt-Rennen vorgesehen.“
Beim Fünfzigsten eine glatte Hundert: Der Amateurfahrer Michael Hamann wird den Mariendorfer Abend in besonders guter Erinnerung behalten – gelang ihm doch mit dem 100:10 zahlenden Außenseiter Hooligan Face sein 50. Sulkyerfolg. Mit dem schwedischen Wallach war lange überhaupt nicht zu rechnen, denn Hamann hielt seinen Schützling ganz am Ende des Feldes. Der 38-Jährige hatte völlig auf das Speedvermögen seines Pferdes vertraut. Erst auf der letzten halben Runde machte sich Hooligan Face stärker bemerkbar und war punktgenau zur Stelle, als das Feld in den Einlauf bog. Mit riesigen Schritten fing der Wallach den ebenfalls finishstarken Sirius Bes (Werner Schnieder), der hundert Meter vor dem Ziel seine Nüstern in Front gesteckt hatte, mit einer halben Länge Vorsprung ab.
Auch in der Gewinnsummenklasse bis 8.500 Euro fiel die Entscheidung erst auf den letzten hundert Metern. Billy Turf (Josef Sparber) hatte das qualitativ überaus stark besetzte Feld noch in den Einlauf geführt, war dort aber schnell mit seinem Latein am Ende. Das Pulk fächerte 300 Meter vor dem Pfosten weit auseinander und für einen Moment sah der enorm schnelle Zoshua Transs R (Thorsten Tietz) schon wie der sichere Sieger aus. Aber ganz außen kam die mit 90:10 erneut krass unterschätzte O’dalema Byrds (Benjamin Hagen) mächtig auf Touren. Genau wie bei ihrem letzten Auftritt entfaltete die Dänin in 1:17,1/1.900m einen geradezu mörderischen Speed. Die Dunkelbraune scheint vom Können her noch nicht erfasst zu sein.
Peer G (73:10) siegte ebenfalls mit einem feinen Schlussakkord. Dirk Grusdas hielt seinen Wallach ganz im Windschatten von Willemijn A (Thorsten Tietz), die sich auf der Schlusshalben immer näher an die führende Romina Pine (Heinz Wewering) herangearbeitet hatte. Zwischen diesen drei Pferden entfaltete sich auf den letzten 200 Metern ein packender Kampf, bei dem Peer G in 1:17,6/1.900m knapp mit einem Halsvorsprung gegenüber Romina Pine die Oberhand behielt. Dirk Grusdas: „Der Sieg überrascht mich nicht, denn der Braune läuft seit Wochen in toller Form – Peer G ist ein ausgesprochenes Winterpferd!“
Eine regelrechte „Hammerquote“ – und das sogar ohne den Einfluss eines der zahlreichen Mariendorfer Siegjackpots – gab es nach dem Sieg der Debütantin Jungmaid zu vermelden. Die eindeutige Mitfavoritin zahlte am Toto nahezu unfassbare 72:10. Josef Sparber steuerte die Vierjährige Mitte der Gegenseite an die Flanke des führenden Mister K. (Heinz Wewering), der ebenfalls sein erstes Rennen bestritt. Bis weit in die Zielgerade hinein leistete Mister K. noch ernsthafte Gegenwehr. Doch auf den letzten 150 Metern musste der tapfer kämpfende Wallach die Überlegenheit seiner Gegnerin anerkennen, die souverän mit zwei Längen Vorsprung gewann.
Uwe Stamer setzte mit einer couragierten Fahrt im Sulky der Stute Geta (62:10) den Schlussstrich unter die Mariendorfer Veranstaltung. San Sicario (Wolfgang Nitsch) hatte vom Fleck weg die Spitze übernommen und auch Geta rührte sich bereits auf den ersten Metern kräftig. Stamer ließ die Sechsjährige mächtig treten und ordnete sich mit seinem Schützling erst auf der Tribünengeraden als zweites Gespann innen ein. Doch obwohl es auf der ersten halben Runde bei 14-er Durchgangszeiten hoch herging, waren San Sicario und Geta auch am Ende klar vor den Gegnern voraus. Im einsamen Gefecht beider Pferde um den Sieg setzte sich schließlich Geta knapp in 1:17,7/1.900m mit einer Kopflänge durch.
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Berliner Trabrenn-Verein
Mariendorfer Damm 222 - 298
12107 Berlin
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