Umweltbundesamt UBA: Trinkwasserbericht ist Lügenbericht
von
Freier Wissenschaftsjournalist Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann
21.01.2012 - 6:56 Uhr - Politik & Gesellschaft
(prcenter.de) Der jüngste Trinkwasserbericht des Umweltbundesamtes [UBA] aus Januar 2012 ist ein Lügenbericht! Er geht solange zum Brunnen, bis er bricht. Warum werden im Ruhrgebiet 350 Mio. Euro in Kläranlagen und 150 Mio. Euro in Wasserwerke investiert, zusammen 500 Mio. Euro, wenn alles in bester Ordnung wäre? Unter anderem werden im Ruhrgebiet jetzt endlich Ultrafiltrationsanlagen gegen Bakterien, Parasiten und Viren gebaut. Warum wohl?
UBA: „Note "Sehr gut" für deutsches Trinkwasser … Es bleibt dabei: In Deutschland kann man bedenkenlos Wasser direkt aus dem Hahn trinken. Eine aktuelle Studie bestätigt, dass Trinkwasser aus deutschen Wasserwerken fast immer einwandfrei ist. … Grenzwertüberschreitungen seien bei allen größeren Wasserwerken die Ausnahme.“
Sind nur die Verbraucher größerer Wasserwerke zu schützen? Was ist mit den tausenden von kleinen Wasserwerken in Deutschland?
Trinkwasser oft mit Giftcocktail belastet
Chemie im Trinkwasser: DMS, Uran, Pestizide, Arzneimittelrückstände, Röntgenkontrastmittel, sonstige 20 Millionen Schadstoffe! Schadstoffe müssen von den Gewässern ferngehalten, Kläranlagen zur Schadstoffelimination nachgerüstet werden. Aber Schadstoffe aus den ungereinigten Abwassereinleitungen der Mischwasser- und Regenwasserkanalisationen sowie Schadstoffe, die aus Gewässersedimenten ausbluten, gelangen erst gar nicht in die Kläranlagen. Auch Medikamentenrückstände von Nutztieren werden unmittelbar in die Gewässer abgeschwemmt. Grenzwerte für Abwassereinleitungen und Trinkwasser schreiben den Giftcocktail im Wasser auf Dauer fest. Nullwerte müssen das Ziel sein.
Fäkalien oft auch in Deutschland im Trinkwasser
Im Trinkwasser Deutschlands sind oft auch Fäkalien. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit warnt: „Grenzwertüberschreitungen bei Fäkalkeimen der Trinkwasserverordnung sind in 25%, im Sommer sogar in 33% der Trinkwasserproben. Im Grund- und Trinkwasser Bayerns werden regelmäßig Legionellen nachgewiesen.“ Anderswo in Deutschland wird das kaum anders sein. Das Umweltbundesamt UBA publizierte schon im März 2007, dass seit Inkrafttreten der Trinkwasserverordnung 2001 über häufigere Grenzwertüberschreitungen bei coliformen Bakterien geklagt wird. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hat 2007 über eine stabile und aktive Bakterienpopulation im Trinkwasser der Harzwasserwerke in Braunschweig berichtet. Prof. Exner, Chef der Trinkwasserkommission vom Bundesgesundheitsministerium, hat mehrfach Enterobacter cloacae im aufbereiteten Trinkwasser aus Talsperren gefunden. Das UBA hat bei Berliner Trinkwasseraufbereitungsanlagen nachgewiesen, dass deren Virusfiltration im Mittel 10.000-fach geringer ist als dies die Trinkwasserrichtlinie der Weltgesundheitsorganisation WHO bei Oberflächenwasser seit 2004 fordert. Das Staatliche Veterinäruntersuchungsamt Krefeld hat in fertig aufbereiteten Trinkwässern aus der Region Aachen humane Rotaviren mit einer Positivenrate von 20% gefunden. Der erste Zwischenbericht „Reine Ruhr“ in NRW betont wie der Statusbericht „Reine Ruhr“ vom Juni 2010 die Belastung des Trinkwassers durch Viren.
Verschonen Sie bitte Ihr Kind und sich selbst vor nicht abgekochtem Leitungswasser! Nehmen Sie einmal eine Glaskanne voll Leitungswasser und lassen das Wasser auf der Herdplatte verdampfen. Schauen Sie sich den Abdampfrückstand am Boden der Glaskanne an. Die graue und braune Trübung transportiert die Infektionserreger. Ein weißer Bodenbelag enthält im Wesentlichen unschädliche Magnesium- und Calciumcarbonate, die die Härte des Trinkwassers ausmachen.
Die Wasserversorger sind nahezu zu 100% im BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. organisiert. Am Lobbyisten BDEW hängt der DVGW dran, die Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V., die die eigenen technischen Regeln festlegt. Und die Trinkwasserkommission vom Bundesgesundheitsministerium ist zu rund 47% mit stimmberechtigten Wasserversorgern und mit Professores, die von denen ihre Aufträge bekommen, besetzt. Erkennen Sie die mafiöse Struktur der Wasserversorger?
Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann: Das Liefern von Trinkwasser mit Krankheitserregern ist ein Straftatbestand! Wasserwerke mit der üblichen veralteten Technik können Krankheitserreger nicht umfassend filtern oder abtöten. Trinkwasser enthält oft Bakterien, Parasiten und Viren. Deshalb muss das Trinkwasser mit der Ultrafiltration für rund einen halben Euro pro Person und Monat aufbereitet werden. Die Wasserversorgungsunternehmen sind gefordert!
Mikrobiologische Trinkwasserüberwachung in Deutschland weder unabhängig noch effizient:
Das System der Trinkwasserüberwachung in Deutschland wird als problematisch beurteilt, da Trinkwasseruntersuchungen nahezu ausschließlich von den Wasserversorgungsunternehmen selbst oder in ihrem Auftrag durchgeführt werden. Deutsche Wasserversorgungsunternehmen sind meist öffentlich-rechtliche kommunale Betriebe, Zweckverbände oder privat-rechtliche Gesellschaften mit kommunaler Beteiligung. Für die gesetzliche Trinkwasserüberwachung sind - ebenfalls auf kommunaler Ebene - die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Dem Bund und den Ländern sind keine Aufgaben zur regelmäßigen Trinkwasserüberwachung vor Ort übertragen. Gechlortes Trinkwasser wird oft erst nach der Chlorung auf die Indikatorbakterien der Trinkwasserverordnung untersucht, so dass positive bakteriologische Befunde selten sein müssen. Negative bakteriologische Befunde sind keine Nachweise der Virenfreiheit. Untersuchungen auf pathogene Viren finden in Deutschland so gut wie nicht statt, obwohl aus einer Vielzahl von Untersuchungen bekannt ist, dass Viren im Trinkwasser enthalten und Auslöser von Epidemien sein können. Norovirus- und Rotaviruserkrankungen sind die von den Gesundheitsämtern dem Robert Koch-Institut Berlin am häufigsten gemeldeten Virusinfektionen in Deutschland. Die Trinkwasserüberwachung ist unabhängigen Behörden und Untersuchungsstellen der Länder zu übertragen. Auf die Indikatorbakterien der Trinkwasserverordnung ist stets vor der Chlorung zu untersuchen. Trinkwasser ist systematisch auch auf Noro- und Rotaviren zu untersuchen.
soddemann-aachen@t-online.de
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12909
http://sites.google.com/site/trinkwasservirenalarm/Trinkwasser-Viren
Wilfried Soddemann
Bauassessor Dipl.-Ing.
Ltd. Regierungsbaudirektor a. D.
Mühlenstraße 5 b
48351 Everswinkel
Tel.: 0 25 82 - 99 13 66
Angaben zum Autor
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Wilfried Soddemann befasst sich mit technischem Umweltschutz, Umwelt- und Trinkwasserhygiene sowie der Epidemiologie der Infektionserkrankungen in Deutschland.
Soddemann, Wilfried
19.05.1973 Abitur
12.09.1974 - 12.07.1979 Studium des Bauingenieurwesens an der RWTH Aachen Diplomprüfung Gut bestanden
03.09.1979 - 27.10.1981 Referendariat in der Staatlichen Verwaltung für Wasser- und Abfallwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen Große Staatsprüfung Gesamturteil Gut
09.11.1981 - 31.08.1983 Landesamt für Wasser und Abfall NRW Fachgebietsleiter Abfall und Abwasser
01.09.1983 - 31.08.1988 Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft NRW Referent Wasserversorgung, Wasserschutzgebiete
01.09.1988 - 30.11.1988 Staatliches Amt für Wasser- und Abfallwirtschaft Bonn Trainee Personal, Haushalt, Organisation
01.12.1988 - 30.11.1989 Bezirksregierung Düsseldorf Dezernent Abfallwirtschaft
01.12.1989 - 28.02.1990 Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft NRW Referent Wasserversorgung, Wasserschutzgebiete
01.03.1990 - 31.03.1994 Staatliches Amt für Wasser- und Abfallwirtschaft Aachen Amtsleiter
01.04.1994 - 31.03.1995 Staatliches Umweltamt Aachen Abteilungsleiter Zentrale Dienste, Personal, Haushalt, Organisation, Informationstechnik, Rechtsangelegenheiten, ständiger Vertreter des Amtsleiters
01.04.1995 - 14.02.2005 Staatliches Umweltamt Aachen, Amtsleiter
01.12.2005 - heute Ruhestandsbeamter des Landes Nordrhein-Westfalen
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