Vorsicht bei Entwöhnungsprodukten aus der Hand der Tabakindustrie
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Aktiv Rauchfrei
17.01.2010 - 15:48 Uhr - Medizin & Gesundheit
(prcenter.de) Reynolds American Inc., Mutterkonzern des Zigarettenproduzenten R.J. Reynolds und zweitgrößter Tabakwarenhersteller der Welt, hat im vergangenen Dezember den schwedischen Hersteller von Nikotinersatzprodukten Niconovum AB übernommen. Laut Reynolds-Geschäftsleitung soll ausstiegswilligen Rauchern angeblich bei der Entwöhnung geholfen werden, die Aquisition wird als "Erweiterung der Schadensminderungsstrategie" dargestellt, die Reynolds American und Tochterfirmen in den vergangenen Jahren entwickelt hätten.
Experten der Tabakkontrolle sehen diesen nur vordergründig verwunderlichen Schritt äußerst kritisch. An einer Spirale von Sucht und erfolgloser Entwöhnung kann sich der Hersteller beider Produkte eine goldene Nase verdienen. Ohnehin könnte die Tabakindustrie bei der Entwöhnung wesentlich mehr erreichen, wenn sie auf gewisse Zusatzstoffe in ihren Tabakprodukten verzichten würde. Beispielsweise auf ammoniakhaltige Zusätze, die sich unter anderem in scheinbar so harmlosen Stoffen wie Lakritze verstecken, und die Suchtwirkung des Nikotins verstärken.
Es ist den Tabakdrogenherstellern also offensichtlich nicht an echter und wirksamer Hilfe für die Raucher gelegen. Angesichts ihrer bekannten bisherigen Geschäftspraktiken besteht schon eher der Verdacht, dass sie im Zweifelsfall schon dafür sorgen könnte, die Wirkung dieser "Entwöhnungshilfen" nicht allzu erfolgreich werden zu lassen. Im Zweifelsfall lassen sich die lästigen Produkte zur Nikotinentwöhnung einfach vom Markt nehmen.
Der Jurist und Tabakexperte David Sweanor warnt in einem Interview mit ABC News davor, dass Niconovum seine Produkte unter der Führung Reynolds auf Langzeit-Nikotinersatzprodukte umstellen könnte. Anstatt das Entwöhnungspräparat nur für einige Wochen einzunehmen, wäre der Konsument dann für einen Zeitraum von Monaten oder gar Jahren darauf angewiesen.
Schließlich ist zu befürchten, dass Reynolds in altbewährter Manier die Erkenntnisse der Firma Niconovum nicht etwa dazu benutzt, um Rauchern tatsächlich beim Ausstieg zu helfen. Es besteht die Gefahr, dass der Tabakkonzern seine Tabakprodukte noch mehr darauf trimmt, jeglichen Versuch einer Entwöhnung möglichst schnell und wirkungsvoll zu unterlaufen.
Wie auch immer die Zukunft des Nikotinentwöhnungsspezialisten in der Hand der Tabakindustrie aussehen wird, einen Rat sollte sich jeder aufhörwillige Raucher zu Herzen nehmen. Ein Hersteller hochgezüchteter Tabakdrogen, der für seinen Geschäftserfolg den vorzeitigen Tod der Hälfte seiner Kunden wissentlich in Kauf nimmt, ist sicherlich kein vertrauenswürdiger Partner für den schwierigen Versuch, sich aus den Klauen der Nikotinabhängigkeit zu befreien. Entsprechend gründlich sollte man den Hersteller potenzieller Hilfsprodukte unter die Lupe nehmen, damit sich die vermeintliche Hilfe nicht letzten Endes als unliebsame Überraschung entpuppt.
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